Meldungen des Jahres 2017

Meldung vom 06. Juli 2017

Neue Ausgabe der "Gerbergasse 18" mit Schwerpunkt "Oktoberrevolution" erschienen

 

Wie wichtig sind Gedenktage und historische Jubiläen für unsere Erinnerungskultur? Mit der sogenannten Oktoberrevolution vor hundert Jahren haben wir es besonders schwer. Weder die zeitliche Begrenzung auf die Ereignisse im Oktober 1917 noch die Einordnung als Revolution oder die verkürzte Deutung als Ursprung des Weltkommunismus sind hinreichend. Obwohl die „Große Sozialistische Oktoberrevolution“ zum ideologischen Kern des DDR-Geschichtsunterrichts gehörte, blieben oft nur Schlagworte hängen. Die Zeitschrift „Gerbergasse 18“ fragt deshalb nach Folgen und Wirkungen des „Roten Oktober“.

 

Das Heft 83 bietet aber noch viele weitere spannende Beiträge, etwa zum Tabuthema Prostitution in der DDR, den Vertreibungen in Thüringen durch Kreisverweise zwischen 1945 bis 1951, der Jazzszene in Jena der 1980er Jahre oder den Herausforderungen der Geschichtsvermittlung durch innovative Spieleformate. Eine Charakterskizze zu Eduard Rosenthal (1853–1926) des Autors Dietmar Ebert stellt den Juristen und Vater der Thüringer Landesverfassung prägnant und facettenreich vor. Das biografische Porträt des Jenaer Ehrenbürgers Rosenthal schildert dessen vielfältiges und weitsichtiges Wirken für die Stadt, wobei seine Bedeutung und Ausstrahlungskraft bis heute kaum bekannt sind. Seit 2007 besteht mit der Villa Rosenthal, unterhalb des Westbahnhofs gelegen, ein eindrucksvoller Veranstaltungs- und Erinnerungsort, zugleich eine Würdigung des engagierten Ehepaars Clara und Eduard Rosenthal.

 

Die neue Ausgabe 2/2017 der „Gerbergasse 18“ (Heft 83) ist ab sofort im Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena (wie gewohnt zum Preis von 3,50 €) erhältlich.

 

Meldung vom 21. Juni 2017

„Matz“ – Matthias Domaschk – Symbol und Mensch

Am 16. und 17. Juni 2017 kamen Angehörige, Freunde und Gäste zusammen, um gemeinsam an das Leben von Matthias Domaschk zu erinnern. Matz, wie ihn seine Freunde nannten, starb am 12. April 1981 in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Gera. Am 12. Juni 2017 wäre er 60 Jahre alt geworden.

 

Unser Matz – 1981 ein junger Mann, einer von Vielen

Matz war einer, der in seiner Jugend und in seinem Handeln stellvertretend für viele Jugendliche in der DDR stand. Er wolle ein ehrliches und repressionsfreies Leben. Das war ihm jedoch nicht vergönnt. Dafür trägt das SED-Regime insgesamt Schuld. Die Einzelschuld aber tragen die MfS-Mitarbeiter der ehemaligen MfS-Untersuchungshaftanstalt Gera der Abteilung IX sowie die ehemaligen Verantwortlichen und Mitarbeiter der MfS-Bezirksverwaltung (BV) Gera sowie der Kreisdienststelle (KD) Jena, im Gebäude der "Gerbergasse 18". Wir wissen nicht, wie sein Leben verlaufen wäre. Wir wissen aber, dass er am Leben sein könnte, seine Tochter und inzwischen seine Enkeltochter bewundern und begleiten könnte, so wie es Renate Ellmenreich kann, die Mutter der gemeinsamen Tochter Julia, die 1976 geboren wurde.

 

Öffentliches Gedenken in Jena und Erfurt

1. Stadtführuung

Organisiert wurde die erste Veranstaltung am 16. Juni vom Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ (ThürAz). Zuerst führten Christian Hermann und Katharina Kempken vom ThürAz in einem gemeinsamen Stadtrundgang an Orte in Jena, die mit dem Leben von Matz verbunden waren. So kamen wir an die Stelle des ehemaligen Wohnhauses, wo er und Renate in Jena zusammenlebten. Auch die Universität spielte eine Rolle, weil hier Verknüpfungen zum Schriftsteller Jürgen Fuchs bestanden. Fuchs studiert in den 1970er Jahren bis zu seiner Relegation und Ausweisung aus der DDR im Jahr 1977 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Matz hatte 1975 und 1976 Texte und Gedichte von ihm in die Junge Gemeinde (JG) Stadtmitte hineingetragen. An diesem Ort berichteten abwechselnd Christian Hermann und Katharina Kempken vom Leben in der JG und den Folgen für Matz und viele andere Freunde, insbesondere in der Zeit kurz nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann im Jahr 1976. Die Akteure der Jungen Gemeinde protestierten im November 1976 gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann, in dem sie sich einer Protestresolution zahlreicher prominenter DDR-Künstler in Form einer eigenen Protestresolution anschlossen. Matz spielte bei der Absicherung der Verteilung und Verbreitung der Resolution eine wichtige Rolle. Ein Inoffizieller Mitarbeiter des MfS mit Feindberührung (IMB "Helmut Falke"), Dietrich Große, verriet die Aktion jedoch noch in der Nacht an die Stasi. Die Folge: Verhaftung und Verhöre von 41 Jugendlichen aus der Jungen Gemeinde und ihrem Umfeld. Neben den zahlreichen Verhören kam es 1977 dann zur Zwangsausweisung von sieben beteiligten Personen aus dem Gefängnis heraus in die Bundesrepublik, darunter die Bandmitglieder der Claus Renft Combo, Gerulf Pannach und Christian Kunert, sowie der Schriftsteller Jürgen Fuchs und der Stadtjugendwart der Jungen Gemeinde Thomas Auerbach. Das Ganze sollte für Matz später bei der Verhaftung im Jahr 1981 wieder eine zentrale Rolle spielen.

 

 

2. Uraufführung von Ausschnitten eines Musiktheaterstücks

Am Abend konnten wir Jochen Wich, ehemaliger Musiker der Jenaer Band „Uller“, und den Schriftsteller und Historiker Dr. Martin Morgner, selbst staatlicher Verfolgung in der DDR ausgesetzt, im Lokal Kaffeerösterei am Markt 11 begrüßen. Es folgte die Vorstellung des Musiktheaterstücks „Das verlorene Leben des Matthias D.“ (Komposition: Jochen Wich, Libretto: Martin Morgner). Die Dialoge im Stück erzählen vom Alltag in der DDR, aber auch von bedrückenden Fragen junger Leute. Es wurde deutlich, dass die Protagonisten im Stück nach Antworten suchten, nur ohne sozialistisches Dogma. Sie waren offen und bereit, Verantwortung für ihr Leben, die Gesellschaft und die Geschichte zu übernehmen. Sie wollten sich engagieren. Doch das war nicht im Interesse des repressiven SED-Staates, der die absolute Kontrolle über das Leben und das Denken seiner Bürger anstrebte. Konflikte waren vorprogrammiert. Und einer, der das nicht überlebte, einer, der jeder hätte sein können, war Matz.

3. Vorstellung der aktuellen Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Matthias Domaschk 2.0“ in Erfurt

Am 17. Juni 2017 stellte die 2015 in Zusammenarbeit mit der Thüringer Staatskanzlei (TSK) eingesetzte Arbeitsgruppe „Matthias Domaschk 2.0“ im Erfurter Landtag ihre aktuellen Ergebnisse zu den möglichen Todesumständen von Matz vor. Ministerpräsident Bodo Ramelow (DIE.LINKE), der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, die ehemalige Lebensgefährtin von Matz und Mutter der gemeinsamen Tochter, Renate Ellmenreich, der Historiker Dr. Henning Pietzsch und der Rechtsanwalt Wolfgang Loukidis stellten sich nach einer Einführung des Moderators, Ulrich Sondermann-Becker (MDR), den Fragen der anwesenden Journalisten und Medienvertreter.

Für die Umsetzung erhält die Arbeitsgruppe (AG) personelle, logistische und finanzielle Unterstützung von der Landesregierung und Mitarbeiter der TSK, insbesondere durch Charis Klingohr und Michael Hasenbeck. Als großen Verlust musste die AG am 17. Mai 2017 den Tod des letzten unmittelbaren Zeitzeugen, Peter „Blase“ Rösch, hinnehmen. Blase, der von Anfang an Teil der AG war, wird die aktuellen Ergebnisse nun nicht mehr erfahren. Trotzdem wird die AG weiterhin ihre Arbeit vorantreiben und zum Abschluss führen, auch in seinem Andenken.

 

Ziele und entscheidendes Ergebnis der Arbeitsgruppe

Ziel der Arbeitsgruppe war und ist es, den Todesumständen von Matz nachzugehen und zu klären, warum, wann und wie er in der Stasihaft in Gera 1981 zu Tode kam. Renate Ellmenreich brachte es auf den Punkt: „Wir wollen die Wahrheit herausfinden“. Dass das schwer werden würde, war und ist allen Beteiligten der Arbeitsgruppe klar. Die Dokumentenlage ist dünn und die Zeitzeugen aus dem Bereich des MfS schweigen bis heute. Zugleich haben sie im ersten Prozess zur Aufklärung der Todesumstände in den Jahren 1991 bis 1993 mehrfach widersprüchliche Aussagen gegenüber der Staatsanwaltschaft gemacht. Aktuelle Aufgabe der Arbeitsgruppe war es daher, die vorhanden Quellen und Zeugenaussagen noch einmal systematisch zu prüfen, Indizien aus früheren Untersuchungen zu kontextualisieren und neu zu bewerten. Darüber hinaus wurden weitere Zeitzeugen und bisher nicht umfassend gesichtete Akten und Sekundärquellen einbezogen. Zuletzt wurde ein erneutes Gutachten an den renommierten Gerichtsmediziner Prof. Dr. Michael Tsokos (Charité Berlin) in Auftrag gegeben.

Die Untersuchungen von Tsokos gehen aktuell davon aus, dass
1. die beschriebenen und erkennbaren Strangmerkmale nicht mit dem Oberhemd des Toten als Strangwerkzeug in Einklang zu bringen sind und
2. auch wenn Abwehrverletzungen (zunächst) nicht zu erkennen seien, das Fotomaterial und die an der Zimmerwand des angeblichen Ereignisortes beschriebenen „Wischspuren“ die Annahme eines Hochziehen des Körpers rechtfertigen würden; beides spreche gegen ein Suizid.
3. eine erkennbare Verschattung des linken Auges als „blaues Auge“ gedeutet werden könne.

Die von Prof. Tsokos erfolgten Bewertungen sind für die AG von zentraler Bedeutung. Sie ergeben in Bezug auf die vorgefundenen und belegbaren Widersprüche in Akten und bei Zeugenaussagen die Annahme, dass jedenfalls der nicht mehr zur Abwehr fähige bzw. bereits verstorbene Matthias Domaschk an der Wand hochgezogen wurde. Das lässt nach Auffassung der Arbeitsgruppe eines ausschließen: eine Selbsttötung.

 

Roland Jahn vs. Bodo Ramelow

Es wurde schnell klar, dass sich zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Bundesbeauftragten bekannte und aktuelle Problemfelder auftaten, die die umfassende Aufarbeitung der SED-Diktatur betreffen. Während Ministerpräsident Ramelow vor allem das Bemühen um die Aufklärung von Einzelschicksalen, wie jenes von Matz, in den Vordergrund rückte als wichtige Aufgabe seiner Regierung, vertrat Jahn als Bundesbeauftragter die Meinung, dass das systemische Unrecht der SED-Diktatur vor allem in seiner Partei DIE.LINKE, als Rechtsnachfolger der SED, nicht umfänglich aufgearbeitet wurde und wird. Der Ministerpräsident verwies seinerseits auf das Beispiel von zwei Abgeordneten der Linken-Partei im Landtag hin, wo dies öffentlich geschehe. In einem Gespräch gegenüber der AG vor der Kamera räumte der Ministerpräsident auf die Frage hin offen ein, ob die Aufarbeitung des Schicksals von Matthias Domaschk für ihn eher politisches Kalkül oder persönliche Haltung sei, dass sowohl politische Gründe aber eben auch seine persönliche Haltung dafür einstehen, das geschehene Unrecht wie auch die Todesumstände von Matthias Domaschk aufzuarbeiten, weil hier eindeutig Unrecht geschehen sei. Politisches Ziel sei es ebenfalls, über diese Form der Aufarbeitung den Prozess einer möglichen Versöhnung in der Gesellschaft voranzutreiben. Als Mensch sei ihm das ein persönliches Anliegen. Freilich könne und wolle er mit Blick auf sogenannte „Altkader“ in seiner Partei niemanden zwingen, sich der persönlichen Auseinandersetzung zu stellen. Dennoch sei er überzeugt, dass es weiterhin zentrale Aufgabe seiner Partei ist, sich dieser Herausforderung immer wieder neu zu stellen. Roland Jahn war und ist eher der Auffassung, dass die politisch organisierte Zentrierung der Aufarbeitung auf ein oder mehrere Einzelschicksale vor allem von der Gesamtschuld der SED-Nachfolgepartei DIE.LINKE ablenken soll. Gleichwohl stellte er abschließend und bei allem Zweifel einer „wirklichen Aufklärung“ der Todesumstände fest, dass ihm als damaligen Freund von Matz die Aufklärung des Todes ein großes Anliegen ist, und zwar nicht erst seit heute. Die Vorgänge in Gera und die Suche nach Erklärungen begleiten ihn seit 1981.

 

Dr. Henning Pietzsch

 

Fotos: Henning Pietzsch/Katrin Sauerwein

1. bis 3.: Stadtspaziergang am 16. Juni auf den Spuren von Matthias Domaschk in Jena

4. Premiere des Musiktheaterstücks in der Kaffeerösterei (Markt 11) in Jena

5. bis 6.: Pressekonferenz im Thüringer Landtag am 17. Juni in Erfurt

Inschrift des Denkmals für die Opfer der kommunistischen Diktatur in Jena.

Meldung vom 15. Juni 2017

Was bilden Karten „tatsächlich“ ab? Vom Umgang mit Karten als historische Quellen. Ein Tagungsbericht

Welch spannende Beschäftigung die Auseinandersetzung mit historischen Karten sein kann, davon konnten sich die Teilnehmenden auf der als Einstieg in die historische Kartenanalyse konzipierten Tagung „Einen Plan haben … Karten als Quellen in der Geschichtswissenschaft“ am 4. November 2016 in den Räumen des Landesarchivs Berlin überzeugen (Link zum Programmflyer). Der Tagungsort war früher ein Zentrum der Rüstungsproduktion und dient heute als Aufbewahrungsort diverser Archivalien. Das Netzwerk „Hiko_21 der Historischen Kommission zu Berlin e. V.“ und das Landesarchiv Berlin hatten fortgeschrittene Studierende, Doktoranden und Interessierte zur methodisch-theoretischen Auseinandersetzung mit dem Medium der historischen Karten als Produkt politischen und bürokratischen Handelns eingeladen. Hintergrund der Tagung war der Ansatz, „dass die dargestellten Räume sozial geschaffen und mitnichten statisch waren bzw. sind.“ Dabei ging es auch um die „Macht der Karten“ (Abstraktion, Missbrauch, Manipulation). Die Teilnehmer wurden durch den Einführungsvortrag von Dr. Petra Svatek mit dem Anfang der 1990er Jahre entstandenen Begriff „spatial turn“ vertraut gemacht, der im Kern ein Umdenken in der geschichtswissenschaftlichen Analyse von Karten meint. Genauer gesagt: Weg von der Annahme einer bloß verkleinerten Abbildung vermeintlich natürlicher Tatsachen, hin zur Berücksichtigung des sozialen Konstruktionscharakters der dargestellten Räume. Die Kartengestaltung unterliegt politischen und soziokulturellen Einflüssen. Weil Karten immer konstruiert, produziert und gestaltet sind, die gezeigten Ausschnitte einer Wahl und einer spezifischen Fokussierung unterliegen, muss sich der Historiker stets fragen, welche Inhalte auf welche Weise zur Abbildung kommen („Topographical Turn“). Weiße Flecken bedeuten zuweilen nicht Unkenntnis, sondern liegen einer Verschleierungsabsicht zugrunde. Örtliche Gegebenheiten werden bewusst übertrieben, etwa um Festungen mächtiger und damit abschreckender erscheinen zu lassen. Der „Topological Turn“ rückt die Aufmerksamkeit des Historikers auf zwei Geometrien: Transformation (Frage nach dem Maßstab) und Projektion (Wonach, z. B. aus welchem Winkel, wurde projiziert?) des Darzustellenden. Als Konsequenz hat der Historiker die örtlichen Verhältnisse selbst zu erkunden. Der Vortrag endete dementsprechend mit dem Appell: „Gehen Sie raus, mit den Karten, begehen Sie die Orte!“
Die Teilnehmenden lernten durch Andreas Matschenz das Angebot der Kartensammlung des Landesarchivs (Amtliche-, Verlagskarten und Karten ohne erkennbare Provenienz, wie Baupläne; geographische oder verwaltungstechnische Karten; internationale, nationale, territoriale oder kommunale Karten etc.), nebst dazugehöriger digitaler Plattform „HistoMap“ kennen, welche ausgewählte historische Karten Berlins online georeferenziert zur Verfügung stellt. Winfried Bliß referierte zu Kategorien verschiedener Kartentypen und deren Quellenwert: Übersichtskarten als Erzeugnisse des Verlagswesens, die insbesondere ästhetische Bedürfnisse privater Besitzer befriedigten, Landesaufnahmen mit dem Zweck, dem Herrscher einen Überblick über seine Besitzungen zu verschaffen, Gemarkungskarten, die die Umgebung von Ortschaften darstellen, Separationskarten, welche Veränderungen der Flurstücke wiedergeben, Forstkarten mit Informationen zur Entwicklung des Baumbestandes, Gewässerkarten, die dem Historiker etwas über die einstige wirtschaftliche und infrastrukturelle Bedeutung von Gewässern verraten, Verkehrskarten, die einem ähnlichen Quellenwert zuzuordnen sind, militärische Karten, streng geheim gehalten, die die Standorte von Festungen wiedergeben und dem Generalstab oder dem Kriegsministerium Informationen zu den relevanten örtlichen Verhältnissen boten, und Karten zu Bauplänen, die zum Beispiel die Wohnverhältnisse von Verwaltungsangestellten der jeweiligen Zeit zeigen. Vor allem Landeshistoriker, Heimathistoriker und Ortschronisten, zunehmend aber auch Wirtschafts-, Sozial- und Kirchenhistoriker, profitieren von der Existenz derartiger Quellen. Fragen wurden auch aus den Disziplinen der Kommunikations-, Alltags- und Rechtsgeschichte gestellt. Dank des „spatial turn“, der die Geschichtswissenschaft für Fragen nach der räumlichen Komponente sensibilisierte, hat der Raum als Quellenkategorie enorm an Bedeutung gewonnen. Ergänzend führte Andreas Matschenz in den Kartenlesesaal, wo er verschiedene Aufbewahrungsformate und die Bedingungen der Aufbewahrung der Karten vor Ort erläuterte. Die Tagungsgäste durften sich anschließend im quellenkritischen Umgang mit eigens für den Workshop bereit gelegten Originalkarten aus dem Zeitraum von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, mit regionalem Schwerpunkt auf Berlin und Brandenburg, erproben.
Der Veranstaltung ist es gelungen, beim fachwissenschaftlich begeisterten, aber in der Arbeit mit historischen Karten weniger erprobten, Verfasser dieses Tagungsberichtes eine kritischere Herangehensweise an historische, aber auch aktuelle Karten zu fördern. Ich nahm die Tagung als sehr adressatenorientiert wahr: Es war möglich, ohne tiefergehende Kenntnisse sowohl den gut strukturierten und sprachlich sehr klaren Vorträgen als auch den engagierten Diskussionen der Teilnehmer zu folgen. Die Einbeziehung originaler Karten sorgte für eine hohe Anschaulichkeit. Die Tagung ermöglichte den Austausch mit Teilnehmern aus unterschiedlichen Fächern und sorgte für neue Anregungen für eigene vertiefende Studien.


Günter Lipfert

(Vereinsmitglied Geschichtswerkstatt Jena e. V.)

Meldung vom 07. Juni 2017

Terminhinweis: Beratungs- und Gesprächsangebot für Betroffene von SED-Unrecht und Antragstellung auf Einsicht in die Stasi-Akte in Blankenhain am 13. Juni

Wann: Dienstag, 13. Juni 2017, von 09:00 bis 12:00 und 13:00 bis 17:00 Uhr,

Wo: 99444 Blankenhain, Marktstr. 4: Verwaltung (ehem. Amtsgericht) im Beratungsraum

 

Zur Minderung der Folgen von SED-Unrecht wurden durch den Deutschen Bundestag die

SED-Unrechtsbereinigungsgesetze beschlossen. Sie beinhalten das:

  • Die Strafrechtliche Rehabilitierung ermöglicht die Aufhebung rechtsstaatswidriger Entscheidungen der DDR-Justiz oder behördlicher Entscheidungen zur Freiheitsentziehung, sofern sie der politischen Verfolgung oder (sonstigen) sachfremden Zwecken gedient hat.
  • Die Verwaltungsrechtliche Rehabilitierung dient der Aufhebung rechtsstaatswidriger Maßnahmen von DDR-Organen, die durch Eingriffe in Gesundheit, Vermögen oder Beruf noch heute unmittelbar schwer und unzumutbar für den Betroffenen fortwirken.
  • Die berufliche Rehabilitierung zielt auf einen Nachteilsausgleich für politisch motivierte Eingriffe in Ausbildung oder Beruf.

 

Anträge auf Rehabilitierung können noch bis zum 31. Dezember 2019 gestellt werden.

Weiterhin können auch Anträge auf Einsicht in die Stasi-Akten beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR gestellt werden.

Das Beratungs- und Gesprächsangebot kann ohne Voranmeldung wahrgenommen werden. Während der Sprechzeiten besteht die Möglichkeit der telefonischen Nachfrage unter der Tel.-Nr.: 0175 8628016.

 

Ansprechpartner vor Ort: Sabine Böhme (ThLA) und Manfred Buchta (Beratungsinitiative SED-Unrecht)

 

Meldung vom 31. Mai 2017

„Aufstand in der Provinz – Widerstandsaktion in Naumburg“: Zeitzeugengespräch mit Pfarrer Michael Kleim und dem Landesbeauftragten Christian Dietrich am 8. Juni 2017 in Gera

Am 2. Februar 1988 fand eine Widerstandsaktion in Naumburg statt, die weitgehend unbekannt blieb. Es waren Studenten und Bewohner der Stadt, die sich auf dem Marktplatz der Stadt mit Gegnern der SED-Führung solidarisierten, die kurz zuvor inhaftiert, kriminalisiert und zum Teil aus der DDR ausgewiesen wurden. Bei der Planung des Solidaritätsprotestes in Naumburg entschieden sich die Beteiligten, eine symbolische Aktion gegen staatliche Willkür und für Meinungsfreiheit durchzuführen. Erst kurz vor dem Start der Aktion erfuhr die Staatssicherheit von den Vorbereitungen. Die Staatssicherheit nahm den Vater mit Säugling, der die Aktion fotografieren sollte fest und die Polizei unterband die Demonstration wenig später brachial. Während die Westmedien damals von dieser Aktion nichts erfuhren, solidarisierten sich kirchliche Gremien der Stadt Naumburg öffentlich mit der Aktion.

Michael Kleim, von der Stasi als Rädelsführer der Aktion benannt, und Christian Dietrich gehörten zu den Organisatoren des symbolischen Protestes gegen staatliche Zensur und Hetze in Naumburg. Der Abend dient der Erinnerung und der Reflexion über den Wert der Erinnerung an den Widerstand gegen Diktatur.

Michael Kleim (*1960) ist seit 1995 Pfarrer in Gera, Christian Dietrich (*1965), wurde im Jahr 2000 Pfarrer und ist seit 2013 Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Wann: 8. Juni 2017, Beginn: 18:00 Uhr

Wo: Gedenkstätte Amthordurchgang, Amthordurchgang 9, 07545 Gera

Der Eintritt ist frei.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Verein Gedenkstätte Amthordurchgang e. V.

Meldung vom 29. Mai 2017

Was geht uns das heute noch an? Erinnern, Feiern, Aufarbeiten – zwei Veranstaltungen zu Ehren von Matthias Domaschk am 16. und 17. Juni in Jena und Erfurt

Am 12. April 1981 starb Matthias Domaschk im Alter von 23 Jahren in der Geraer Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Sein Tod, der bis heute nicht aufgeklärt ist, politisierte zur damaligen Zeit viele seiner Freunde und Bekannten. Der Todesfall war ein zentraler Auslöser für die Herausbildung neuer oppositioneller Gruppen in Jena und an weiteren Orten.

Am 12. Juni 2017 wäre Matthias Domaschk 60 Jahre alt geworden. Freunde und Wegbegleiter erinnern an ihn und feiern seinen 60. Geburtstag am 16. Juni mit einem Stadtspaziergang und einer Vorstellung des biografisch angelehnten Musiktheaterstücks „Das verlorene Leben des Matthias D.“ in Jena. Interessierte BürgerInnen sind herzlich eingeladen. Gemeinsam wollen wir versuchen, uns ein Bild zu machen vom Leben und Sterben des Matthias Domaschk. Auch fragen wir danach, welche Bedeutung die Erinnerung an ihn und die Aufklärung seines Todes für die Gegenwart hat.

Zwei gemeinsame Veranstaltungen der Geschichtswerkstatt Jena und des Thüringer Archivs für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“, unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei:

16. 6. 2017: Stadtspaziergang auf den Spuren von Matthias Domaschk, Beginn: 16.00 Uhr vor der Kaffeerösterei am Markt 11, 07743 Jena
Vorstellung des Musiktheaterstücks „Das verlorene Leben des Matthias D.“ (Komposition: Jochen Wich, Libretto: Martin Morgner), Beginn: 19.30 Uhr in der Kaffeerösterei am Markt 11, 07743 Jena

17. 6. 2017: Pressegespräch der Arbeitsgruppe „Tod von Matthias Domaschk“ (Teilnehmende: Mitglieder der Arbeitsgruppe, Ministerpräsident Bodo Ramelow, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn)
Beginn: 9.30 Uhr Thüringer Landtag, Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt

Tag der offenen Tür im Thüringer Landtag mit Info-Ständen der
Thüringer Staatskanzlei, der Geschichtswerkstatt e. V. und des
Thüringer Archivs für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“,

Beginn: 10.00 Uhr, Thüringer Landtag, Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt

Meldung vom 27. Mai 2017

Soldaten wohnen auf den Kanonen ... – 35 Jahre "Airtramp" aus Jena

Wenn Geschichte nicht aufhört: Am 26. Mai 2017 spielte die Jenaer Musikband Airtramp im Rahmen des diesjährigen deutschlandweiten Kirchentages auf dem Jenaer Marktplatz. Hintergrund ist das 35-jährige Wirken der Band. Airtramp war die mit Abstand erfolgreichste Jugendband in den 1980er Jahren in Jena. Ihre Lieder spiegelten den Zeitgeist der DDR-Jugend nach Freiheit und Weltsehnsucht wider. Zugleich kritisierten die Musike...r in ihren Songs den Muff der engen DDR, wo sich viele junge Leute schlicht eingesperrt fühlten. In der kirchlichen Offenen Arbeit der Evangelischen Kirche (JG-Stadtmitte) in Jena fand die kreative Band ihr Zuhause. Von hier aus eilte ihr ein Ruf weit über die Region voraus, die "TON, STEINE, SCHERBEN" des Ostens zu sein. Airtramp schrieb Musikgeschichte, die weit über ihr damaliges Schaffen hinaus bis heute aktuell geblieben ist. Oder: Hört Euch einfach das tolle Konzert an!

 

Meldung vom 18. Mai 2017

Peter "Blase" Rösch (1953–2017) – zwei Nachrufe

Peter Rösch (* 15. Oktober 1953 in Jena; † 17. Mai 2017 in Berlin) war ein DDR-Bürgerrechtler, Feinmechaniker und Restaurator. Rösch wuchs in Jena auf und erlernte den Beruf eines Feinmechanikers und war als solcher in der Forschungswerkstatt des Bereiches Medizin der Friedrich Schiller Universität Jena tätig. Er trampte zu vielen Rock- und Blueskonzerten und bekam von seinen Freunden den Spitznamen „Blase“. Aus politischen Gründen wurde ihm die Teilnahme an einer Abiturausbildung verwehrt. Maßgeblich war er in den Jahren 1973 bis 1982 an Aktionen und DDR-weiten Vernetzungen der „Offenen Arbeit“ der Jungen Gemeinde Stadtmitte beteiligt. Mehrfach wurde ihm der Personalausweis entzogen. 1976 beteiligte er sich am Protest Jenaer Oppositioneller gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann und wurde verhaftet und verhört. Das MfS führte danach gegen ihn und weiter Aktive der Jungen Gemeinde Jena-Stadtmitte den Operativen Vorgang „Qualle“. In den Jahren 1978 bis 1979 war der Waffendienstverweigerer als Bausoldat einberufen worden und in den letzten zwei Monaten im Arrest einer Bautzener Kaserne in Einzelhaft. Nachhaltig prägte der Tod seines Freundes Matthias Domaschk bei der Stasi sein Leben. Am 10. April 1981 war er mit Domaschk unterwegs zu einer Geburtstagsfeier nach Ost-Berlin. Am gleichen Wochenende fand der X. Parteitag der SED statt. Rösch und Domaschk wurden verhaftet und in die Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Gera verbracht. Domaschk verstarb hier unter bis heute ungeklärten Umständen. 1982 emigrierte Peter Rösch nach West-Berlin und arbeitete dort seit 1983 im Deutschen Technikmuseum als Restaurator, später auch als Personalrat. Er unternahm Vortragsreise zum Thema „Friedens- und Oppositionsgruppen in der DDR“ durch die Bundesrepublik, die Niederlande, und Dänemark und wirkte in der Arbeitsgruppe „Berlin- und Deutschlandpolitik“ der Alternativen Liste mit. Er unterstützte gemeinsam mit Jürgen Fuchs und Roland Jahn aktiv die Oppositionsbewegung in der DDR und versorgte sie mit Informationen, Büchern und drucktechnischen Materialien. Nach der Friedlichen Revolution zog er 1992 in den Ostteil der Stadt und gründete das Bürgerkomitee 15. Januar zur Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit sowie die Geschichtswerkstatt Jena mit. In den Jahren 1992 bis 2002 war er Redakteur der Aufarbeitungs-Zeitschrift "Horch und Guck".
 
Gerold Hildebrand
 
 

Unser Freund hat seine Ruhe gefunden

Blase, mein Freund, unser Freund, Freund so vieler Menschen, Menschen, die Du in Deinem Leben begleitet hast und die Dich begleitet haben. Vor wenigen Stunden erfuhr ich, dass Du letzte Nacht auf die andere Seite der Zeit gewechselt bist. Das war wie ein tiefer Schlag in die Magengegend.

47 Tage hast Du gerungen, um wieder in unsere Zeit zurück zu kommen. Viele Freunde und Menschen sind diesen letzten Weg mit Dir gemeinsam gegangen. Sie waren bei Dir am Krankenbett, täglich, wöchentlich, und hofften so sehr, dass Du wieder zurückkommst. Warum? Weil Du einer der wenigen Menschen unter all den verschiedenen Freunden warst, der sich auch immer für andere Menschen eingesetzt hat. Du warst nicht nur solidarisch, sondern Du teiltest ihre Sorgen und Nöte. Und, Du hast so oft für sie und ihre Interessen gekämpft, mit Schläue und vor allem angstfrei.

Letzteres lerntest Du dort, wo Deine Biografie ihren Anfang nahm, in Jena. Es war eine Zeit der politischen Diktatur, die nicht alle überlebt haben, so, wie Dein Freund Matz (Matthias Domaschk). Immer wieder hast Du Dich mit anderen aufgemacht, um seinen Tod in den Händen der Stasi aufzuklären, zuletzt in unserer Arbeitsgruppe seit 2015. Während Matz als Märtyrer Eingang in die geschriebene Geschichte fand, hast Du Dich beharrlich geweigert, „Bürgerrechtler“ genannt zu werden, Person des „öffentlichen Interesses“ zu werden oder zu sein. Sogar das Bundesverdienstkreuz hast Du abgelehnt. Warum? Nicht nur, weil Du bescheiden geblieben bist in der politischen Aufwertung Deiner Person, sondern, weil Du kritisch geblieben bist, auch und nicht zuletzt gegenüber den neuen Zeiten im wiedervereinten Deutschland. Das wundert kaum, denn Du hattest viele Prüfungen im ersten Teil Deines Lebens zu bestehen. Willkürliche Verhaftungen, politische Ausgrenzung und Verfolgung durch die „Genossen“. Das war an der Tagesordnung. Doch sie konnten Dich nicht brechen. Andere schon. Auch den Popen in der Evangelischen Kirche hast Du nie wirklich ganz vertraut. Viele von ihnen haben Wasser gepredigt und selber Wein gesoffen, haben mit der Stasi zusammengearbeitet, um uns die Freiheit zu nehmen nach der wir strebten. Das erkanntest Du schon damals alles recht schnell. Nur einem hast Du wirklich vertraut, Walter, unserem Pfarrer Walter Schilling aus Braunsdorf, der uns bereits vor 4 Jahren verlassen hat.

Und wenn Du jetzt über grüne Wiesen gehst, am Horizont die Freunde auf der anderen Seite siehst, dann weißt Du, dass Du angekommen bist. Sage Walter, wir haben ihn nicht vergessen. Sage Matz, wir können ihn zwar hier nicht hören und von ihm erfahren, was damals wirklich in der MfS-Untersuchungshaftanstalt Gera mit ihm geschah, aber: Wir sind dabei, das „Rätsel“ zu lösen und die Verantwortlichen von damals werden Rechenschaft ablegen. Wir hätten Dich so gern dabei gehabt.

Ruhe in Frieden!

Dein Freund "Dr. Henning"

 

Dr. Henning Pietzsch

 

 

Presse: Welt, vom 12.4.2016
 
armadafilm Berlin Tom Franke, Henning Pietzsch

 

Bilder:

1. Ministerpräsident Bodo Ramelow, Renate Ellmenreich und Peter Rösch bei der Einsetzung der Arbeitsgruppe "Matthias Domaschk 2.0" im März 2015

2. Peter Rösch im Jahr 2008 in Dietrichshütte beim Sommerfest von Walter Schilling

3. Peter Rösch hält eine sehr persönliche Rede zum 35. Todestag von Matthias Domaschk am 12. April 2016 auf dem Jenaer Nordfriedhof

Fotos: Henning Pietzsch

Meldung vom 15. Mai 2017

"Wie viel Russland steckt in der Sowjetunion und wie viel Sowjetunion im heutigen Russland?" – fünfteilige Kino-Veranstaltungsreihe im Oktober 2017

Im Rahmen des Sonderförderprogramms "Der Kommunismus im 20. Jahrhundert" unterstützt die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur im Jubiläumsjahr 100 Jahre nach der russischen Oktoberrevolution von 1917 auch eine von der Geschichtswerkstatt Jena organsierte Veranstaltungsreihe im Oktober 2017.

Die Filmproduktion NohaFilm Berlin arbeitet gemeinsam mit armadaFilm Berlin an einer Filmdokumentation unter dem Arbeitstitel "Mythos. Eine Reise in den Oktober". Der Vorsitzende der Geschichtswerkstatt, Dr. Henning Pietzsch, wirkt als Fachberater mit. Die Leitfrage der Dokumentation sein, "Wie viel Russland steckt in der Sowjetunion und wie viel Sowjetunion im heutigen Russland?", so Pietzsch. Teile des Filmes würden auch vor Ort, im einstigen Reich des roten Oktobers, gedreht. "Es geht uns dabei auch um die grundsätzliche Frage, inwiefern die sogenannte Oktoberrevolution tatsächlich eine Revolution war oder ob es sich dabei nicht eher um einen politischen Putsch handelt". Zu sehen sein wird der Film im Herbst im rbb-Fernsehen sowie innerhalb einer fünfteiligen Veranstaltungsreihe im Oktober in ausgewählten Kinos in Thüringen (Jena, Weimar, Gera, Bad Klosterlausnitz und Altenburg). Zu den Kinoterminen wird jeweils ein Publikumsgespräch angeboten. Die genauen Termine und Orte werden demnächst bekannt gegeben.

Zum Thema und der aktuellen Förderung in Thüringen erschien auch heute auch ein ausführlicher Zeitungsartikel.

Meldung vom 01. Mai 2017

Gera? Hier ist Gera! – Forum und Tagung zur Zeitgeschichte und den Perspektiven Geras am 6. Mai 2017

Am 6. Mai - kommenden Samstag - wird es in Gera ein ganztägiges Gesprächsforum im Format einer Tagung geben, was sich nach inzwischen 27 Jahren Wiedervereinigung mit dem städtischen Selbstverständnis Geras sowie dem Blick von außen auf Gera beschäftigt. Hauptorganisator ist der Geraer Verein Gedenkstätte Amthordurchgang.

Gera erlebte einen rasanten Wandel: Noch in den 1920er Jahren eine der wohlhabendsten Städte Deutschlands, wird sie in der DDR zur sozialistischen Bezirksstadt umgebaut und versucht nach der Wiedervereinigung 1990 einen Neuanfang. Zwischen Arbeitslosigkeit, Abwanderung und Relevanzverlust sucht die Stadt nach Anknüpfungspunkten, um ihre eigene Identität wieder zu erlangen. Gera als sozialistische Großstadt, ihre Städtebaupolitik und Architektur, ihre Großbetriebe und Umwelt sowie der revolutionäre Bruch von 1989 – diese Themen möchten wir gemeinsam mit Experten und Publikum diskutieren.

Die Tagung ist  eine gemeinsame Veranstaltung der Stiftung Ettersberg und der Gedenkstätte Amthordurchgang e. V., in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung, dem Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Sparkasse Gera-Greiz und der Stadt Gera.

Wann: 6. Mai 2017 (9 Uhr bis 17.30 Uhr)
Wo: Kultur- und Kongresszentrum Gera, Schloßstraße 1, 07545 Gera

Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen und Details zu der Tagung finden Sie hier im Programmflyer.

Meldung vom 27. April 2017

Terminhinweis: Beratungs- und Gesprächsangebot für Betroffene von SED-Unrecht und Antragstellung auf Einsicht in die Stasi-Akte am 9. Mai in Hirschberg

Termin: Dienstag, 9. Mai 2017, von 09:00 bis 12:00 und 14:00 bis 17:00 Uhr

Ort: 07927 Hirschberg, Rathaus Marktstraße 2 / Vorraum Standesamt, 2. Etage

 

Zur Minderung der Folgen von SED-Unrecht wurden durch den Deutschen Bundestag die

SED-Unrechtsbereinigungsgesetze beschlossen. Sie beinhalten:

  • Die Strafrechtliche Rehabilitierung ermöglicht die Aufhebung rechtsstaatswidriger Entscheidungen der DDR-Justiz oder behördlicher Entscheidungen zur Freiheitsentziehung, sofern sie der politischen Verfolgung oder (sonstigen) sachfremden Zwecken gedient hat.
  • Die Verwaltungsrechtliche Rehabilitierung dient der Aufhebung rechtsstaatswidriger Maßnahmen von DDR-Organen, die durch Eingriffe in Gesundheit, Vermögen oder Beruf noch heute unmittelbar schwer und unzumutbar für den Betroffenen fortwirken.
  • Die berufliche Rehabilitierung zielt auf einen Nachteilsausgleich für politisch motivierte Eingriffe in Ausbildung oder Beruf.

Anträge auf Rehabilitierung können noch bis zum 31.12.2019 gestellt werden.

 

Weiterhin können auch Anträge auf Einsicht in die Stasi-Akten beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR gestellt werden.

 

Das Beratungs- und Gesprächsangebot kann ohne Voranmeldung wahrgenommen werden. Während der Sprechzeiten besteht die Möglichkeit der telefonischen Nachfrage unter der Tel.-Nr.: 0175 8628016.

 

Ansprechpartner vor Ort:

Sabine Böhme (ThLA) und Manfred Buchta (Beratungsinitiative SED-Unrecht)

 

 

Weiterführende Informationen:

 

 

 

Meldung vom 12. April 2017

Neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ mit dem Schwerpunkt „Umwelt“ erschienen

Was verrät der Umgang mit der Umwelt über eine Gesellschaft? Mit der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ wird diese Frage auf vielfältige Weise in den Mittelpunkt gerückt. Dabei verbinden sich ganz unterschiedliche Ausgangspunkte und Perspektiven miteinander: Von der Herausbildung kleinerer Umweltgruppen im kirchlichen Raum bis zur Entstehung einer unabhängigen Umweltbewegung in der späten DDR, als Verschmutzung, Vergiftung und Vertuschung von massiver Umweltzerstörung zum Alltag gehörte; von der Gründung einer „Sektion DDR“ innerhalb der damals jungen Partei „Die Grünen“ bis zur Genese einer Umwelt-Bibliothek in Ost-Berlin Mitte der 1980er Jahre. Dass die Diskussion zum Verhältnis zwischen Natur- und Geschichtserbe am Grünen Band – dem renaturierten Geländestreifen und Erinnerungsraum der deutsch-deutschen Teilung – zukunftsweisend ist, wird mit zwei prägnanten Standpunkten dokumentiert.

In den Rubriken Zeitgeschichte und Zeitgeschehen/Diskussion geht es um die Überwachung von ausländischen Militärs bei der NVA, den privaten Brief als historische Quelle und um eine Tagung zu Ehren des Schriftstellers Jürgen Fuchs. Über die Folgen von politisierter Medizin durch Zwangseinweisungen in geschlossene Venerologische Stationen informiert ein Beitrag von Florian Steger und Maximilian Schochow. Bis heute leiden betroffene Frauen an Traumatisierungen, die durch eine transgenerationale Weitergabe und erlittene Spätfolgen geprägt sind.

 

Die neue Ausgabe 1/2017 der „Gerbergasse 18“ (Heft 82) ist ab sofort im (Jenaer) Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena (Bestellungen gerne über unser Kontaktformular) zum Preis von 3,50 € erhältlich.

Meldung vom 07. April 2017

Die globalen Verflechtungen im Zweiten Weltkrieg – Ein Kurzbericht zum Vortrag von Prof. Dan Diner am 5. April 2017 in Jena

In jedem Semester organisiert das Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts des Historischen Instituts der Friedrich-Schiller-Universität Jena zahlreiche Veranstaltungen mit auswärtigen Referenten. Die Veranstaltungsreihe des Sommersemesters begann am 5. April  in den Rosensälen mit dem Vortrag „Paradoxe Verschränkungen. Erkundungen zu einer Globalgeschichte des Zweiten Weltkriegs“ von Prof. Dr. Dan Diner, der momentan eine Gastprofessur an der Jenaer Universität bekleidet.

Die Veranstaltung begann mit einer Einführungsrede von Prof. Dr. Norbert Frei, in der er über den bisherigen Werdegang sowie herausragende Publikationen des Gastes berichtete. Dan Diner wurde 1946 in München geboren und wuchs in Frankfurt am Main auf, wo er Rechts- und Sozialwissenschaften studierte und sich auch politisch in der jüdischen Gemeinde engagierte. 1973 promovierte er zum Kriegsrecht und habilitierte im Jahr 1980. Er lehrte im dänischen Odense sowie an den Universitäten in Essen, Tel Aviv und Leipzig. Er ist emeritierter Professor der Hebräischen Universität Jerusalem. Zudem war Dan Diner in Tel Aviv von 1994 bis 1999 Direktor des „Minerva-Instituts für Deutsche Geschichte“ und leitete von 1999 bis 2014 das „Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur“ in Leipzig.

Er beschäftigt sich mit der europäischen, nahöstlichen und jüdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts und prägte zur Geschichte des Holocausts den Begriff „Zivilisationsbruch“. Seit 2014 forscht er zu einer Globalgeschichte des Zweiten Weltkrieges im Rahmen des Forschungsprojektes „Judging Histories – Experience, Judgement and Representation of World War II“. Über sein aktuelles Forschungsprojekt gab er in seinem Vortrag in Jena einen Überblick.

Dan Diner begann seine Ausführungen mit dem gegenüber den deutschen Truppen zeitverzögerten sowjetischen Einmarsch in Polen seit dem 17. September 1939. Eine Ursache für die Verzögerung war der japanisch-sowjetische Grenzkrieg, der bis zum 16. September andauerte. Als Folge des Krieges wurde im April 1941 zwischen den beiden Staaten ein Neutralitätspakt unterzeichnet, der bis zum 8. August 1945 hielt und bis dahin von beiden Seiten „peinlich genau“ geachtet wurde. Der Vertrag war „signifikant“ für den Verlauf des Zweiten Weltkrieges, da er die Sowjetunion vor einem Zweifrontenkrieg verschonte.   

Danach unterteilte Diner seinen Vortrag in drei Schritte: die geopolitische Aufspaltung der europäischen und pazifischen Kriegsschauplätze, die kolonialen Aspekte in Bezug auf Frankreich sowie die imperialen Aspekte bezüglich des Britischen Weltreiches. Im ersten Schritt wurde über die materielle Unterstützung der Sowjetunion durch US-amerikanische Hilfskonvois gesprochen. Die Hilfslieferungen konnten auf drei Wegen in die Sowjetunion gelangen, wobei die nordatlantische Wegstrecke wegen der deutschen Luftangriffe „katastrophal endete“. Die beiden anderen Routen waren der persische Korridor, der bisher kaum in der Forschung beachtet wurde, und der nordpazifische Weg, welcher der Bedeutendste war. Im zweiten Teil berichtet Diner unter anderem über das „Geheimnis“ des Waffenstillstandes von 1940, womit der Hintergrund für die relativ schnelle Bereitschaft Frankreichs umschrieben war, einen Waffenstillstand zu akzeptieren. Dabei ist vor allem der Artikel des Vertrages maßgeblich, der Frankreich die Erhaltung seiner Kolonien und Teile seiner Flotte zu eigenen Verteidigung garantierte.  

Im letzten Teil seines Vortrages ging Diner auf die antikolonialen Bewegungen, wie beispielsweise die in Indien oder Palästina, und die Zuwendung einiger dieser Gruppen zu den Achsenmächten ein. Mit Formen der Kollaboration wollten einige Unabhängigkeitsbewegungen Verbündete für ihren Unabhängigkeitskampf gegen das Vereinigte Königreich gewinnen.

Der spannende Vortragsabend endete schließlich mit einer lebhaften Fragerunde, in der angemerkt wurde, dass die amerikanische Militärhilfe an die Sowjetunion im Verlauf des Kalten Krieges erstaunlich rasch in Vergessenheit geriet. Zudem wurde erwähnt, dass es schon während des Krieges eine zeitgenössische Sicht auf den globalen Charakter dieses Konfliktes gab. So war bekannt, dass Hitler durch den Krieg in Europa weitere Gebiete und Ressourcen erobern wollte, um sich mit deren Hilfe auf einen zukünftigen Krieg gegen die USA vorzubereiten. Der erkenntnisreiche Abendvortrag thematisierte dadurch die bisher weniger bekannten Verflechtungen auf globaler Ebene, die unser Wissen über den Ver- und Ablauf des Zweiten Weltkrieg um wesentliche Fakten erweitern.

 

Christian Ebel

Bachelor-Student Geschichte/Politikwissenschaft

Meldung vom 01. April 2017

Veranstaltungshinweis: "Grünes Herz unter roten Fahnen" – Buchvorstellung mit Martin Morgner und Katharina Kempken am 4. April in Gera (Torhaus)

Das Frühjahr hält viele interessante und spannende Veranstaltungen bereit, wir weisen gerne auf einen Termin in Gera hin:  4. April 2017 um 18 Uhr: „Grünes Herz unter roten Fahnen“, Buchvorstellung mit Dr. Martin Morgner und Katharina Kempken, Gedenkstätte Amthordurchgang e.V. (Amthordurchgang 9, 07545 Gera)

Der Autor Martin Morgner stellt sein 2015 erschienenes Buch „Thüringen 1949 – 1990. Ein historischer Reiseführer“ (Mitteldeutscher Verlag Halle) vor. Er folgt darin Spuren, die 40 Jahre »Realsozialismus« in den drei ehemaligen Bezirken Erfurt, Gera und Suhl hinterlassen haben und fördert Erstaunliches zutage: zeittypische Bauten und spannende Biografien, erregende Ereignisse und poetische Hinterlassenschaften eines untergegangenen Gesellschaftssystems. Mit diesem innovativen Reiseführer können heutige Zeitgenossen aus nah und fern in Wort und Bild entdecken, was von vier Jahrzehnten DDR-Sozialismus in Thüringen geblieben ist.

Unter dem Veranstaltungsmotto „Grünes Herz unter roten Fahnen“ kommentiert die Historikerin Katharina Kempken (ThürAZ) die von Martin Morgner (geb. 1948 in Stollberg/Erzgebirge) gebotene Darstellung der DDR-Hinterlassenschaften in den drei ehemaligen thüringischen Bezirken. Sie hinterfragt, welche Bedeutung dieses Erbe heute hat. Kempken ist jünger als der Autor und im Westen geboren. Vor diesem Hintergrund ist es ihr möglich, unvoreingenommen nach einer konstruktiven Auseinandersetzung mit der sozialistischen Vergangenheit zu fragen.

Die Buchvorstellung findet im Rahmen des Geraer Bücherfrühlings und in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen statt.

Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen: www.torhaus-gera.de

 

Meldung vom 27. März 2017

Bücher satt – Eindrücke von der Leipziger Buchmesse 2017

Auch in diesem Jahr lockte die Leipziger Buchmesse mit zahlreichen Attraktionen und Angeboten – nicht nur mit historischen Titeln. Vom 23. bis 26. März konnten Bücherfreunde in Europas größtem Lesesaal  Platz nehmen. Neben der traditionellen Messe auf der Neuerscheinungen des Frühjahrs, aktuelle Themen und Trends präsentiert und sowohl junge deutschsprachige Literatur als auch Neues aus Mittel- und Osteuropa gezeigt wurden, fand, schon zur Tradition geworden, das Lesefest „Leipzig liest“ statt und traf an mehr als 400 Leseorten in der Stadt ein interessiertes Publikum. Bei diesem Format fanden spannende Begegnungen zwischen Autoren und Lesern statt und es wurde so manche politische Debatte abseits des Wahlkampfes geführt. Das Schwerpunktland in diesem Jahr war Litauen. Das Land im Baltikum gewährte in rund 50 Veranstaltungen mit 26 Neuerscheinungen interessante Einblicke in Literatur, Kultur und Gesellschaft eines modernen europäischen Staates. Ein weiteres Schwerpunktthema war die Reformation. Auch 500 Jahre nach dem sogenannten Anschlag der Thesen durch Martin Luther hat sein Wirken und dessen Folgen bis in unsere Tage nichts an Aktualität verloren. Die Themenreihe Reformation auf der Buchmesse sprach nicht nur Theologen und das Fachpublikum an. Neu waren in diesem Zusammenhang auch die täglichen Druckvorführungen des Museums für Druckkunst Leipzig oder die des Gutenberg Museums Mainz.

Am 23. März wurde der Preis der Leipziger Buchmesse 2017 verliehen. In der Kategorie Belletristik ging er an die Autorin Natascha Wodin. In ihrem Buch „Sie kam aus Mariupol“ forscht die Autorin nach den Lebensspuren ihrer ukrainischen Mutter, die 1943 als Zwangsarbeiterin nach Deutschland kam. Barbara Stollberg-Rilingers Biografie über „Maria Theresia“ gewann in der Kategorie Sachbuch/Essayistik. Der Preis der Kategorie Übersetzung ging an Eva Lüdi Kong für die Übertragung des  populärsten Buches der chinesischen Literatur „Die Reise in den Westen“. Natürlich wurden auch wieder eine Vielzahl von historischen Neuerscheinungen präsentiert, darunter etwa mehrere neue Bände über 100 Jahre Oktoberrevolution  – Schwerpunkt der Zeitschrift "Gerbergasse 18" im Sommer.

Zeitgleich zur Buchmesse fand auch die hochfrequentierte Manga-Comic-Convention (MCC) statt. Die fantasievollen und ausgefallenen Kostüme der begeisterten Fans waren nicht zu übersehen. Zum 4. Mal wurde Leipzig somit zur Anlaufstelle für zehntausende Manga, - Comic- und Animefans. Zahlreiche japanische und europäische Ehrengäste der Szene kamen und elektrisierten ihr Publikum. Neben Fachveranstaltungen, kreativen Workshops und einem bunten Bühnenprogramm gab es am Messensamstag auch den beliebten Cosplay-Wettbewerb. 

Fazit 2017: Das Stöbern in den Novitäten zahlreicher Verlage, ein Besuch der Antiquaritatsmesse oder das Genießen des Fachprogramms machten die Buchmesse wieder zu einem Erlebnis – für jeden Besucher & Buchfreund war etwas dabei. Denn neben den etablierten Verlagen lockten auch Stände der Radio- und Fernsehprogramme mit Online-Angeboten wie auditiven Livestreams: erstmals wurde das Programm aus 25 Foren live übertragen. Die hohen Besucherzahlen (in diesem Jahr erneut mit Besucherrekord) bestätigen, dass sich die Vielfalt gedruckter Bücher den vielfältigen digitalen Angeboten nicht geschlagen geben werden. Wir sind gespannt auf die Leipziger Buchmesse im nächsten Jahr (= 15. bis 18. März 2018).

 

Johanna Sauerwein

Meldung vom 23. März 2017

Terminhinweis: Beratungs- und Gesprächsangebot für Betroffene von SED-Unrecht und Antragstellung auf Einsicht in die Stasi-Akte am 4. April 2017 in Bad Klosterlausnitz

Veranstalter: Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und Bürgerkomitee des Landes Thüringen e.V. – Beratungsinitiative Thüringen

Termin: Dienstag, 4. April 2017, von 9 – 12 Uhr und 13 – 17 Uhr,

Ort: Stadtverwaltung Bad Klosterlausnitz, im Rathaus (ehem. Ratskeller), Markt 3

 

Zur Minderung der Folgen von SED-Unrecht wurden durch den Deutschen Bundestag die

SED-Unrechtsbereinigungsgesetze beschlossen. Sie beinhalten das:

  • Die Strafrechtliche Rehabilitierung ermöglicht die Aufhebung rechtsstaatswidriger Entscheidungen der DDR-Justiz oder behördlicher Entscheidungen zur Freiheitsentziehung, sofern sie der politischen Verfolgung oder (sonstigen) sachfremden Zwecken gedient hat.

  • Die Verwaltungsrechtliche Rehabilitierung dient der Aufhebung rechtsstaatswidriger Maßnahmen von DDR-Organen, die durch Eingriffe in Gesundheit, Vermögen oder Beruf noch heute unmittelbar schwer und unzumutbar für den Betroffenen fortwirken.

  • Die berufliche Rehabilitierung zielt auf einen Nachteilsausgleich für politisch motivierte Eingriffe in Ausbildung oder Beruf.

Anträge auf Rehabilitierung können noch bis zum 31.12.2019 gestellt werden.

Weiterhin können auch Anträge auf Einsicht in die Stasi-Akten beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR gestellt werden.

Das Beratungs- und Gesprächsangebot kann ohne Voranmeldung wahrgenommen werden. Während der Sprechzeiten besteht die Möglichkeit der telefonischen Nachfrage unter der Tel.-Nr.: 0175 8628016.

Ansprechpartner vor Ort:

Sabine Böhme (ThLA) und Manfred Buchta (Beratungsinitiative SED-Unrecht)

 

Weiterführende Informationen:

 
 
 

ThLA logo

 
Meldung vom 14. März 2017

Ökologiebewegung und Umweltschutz im kirchlichen Raum

Als kleine Einstimmung auf das kommende Heft der "Gerbergasse 18" zum Schwerpunkt "Umwelt" möchten wir eine Rezension von Dr. Hans-Joachim Döring (Umweltbeauftragter der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und Mitarbeiter im Fachbereich Entwicklung & Umwelt am Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zentrum in Magdeburg) zum Buch "Die Ökologiebewegung im kirchlichen Freiraum der DDR" von Aribert Rothe vorausschicken. Der Band des Erfurter Pfarrers und Pädagogen Rothe erschien 2015 in der Schriftenreihe der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, hat 100 Seiten und beinhaltet zahlreiche Abbildungen. Buchbestellungen aus Thüringen bei der Landeszentrale in Erfurt sind kostenlos möglich. Dr. Aribert Rothe ist auch Autor eines eigenen Beitrages im kommenden Heft unserer Zeitschrift unter dem Titel "Alles muss klein beginnen - Die Öko-Bewegung in der DDR". Die neue "Gerbergasse 18" (Heft 82) erscheint im April.

 

Sanfte Sprengkraft

Hier gibt einer Kunde von renitenten Leuten in der DDR und in der Kirche. Der Schwerpunkt liegt im ehemaligen preußischen Thüringen. Die Kreise freilich zieht er weiter, denn „die Umweltgruppen gehörten zu den katalytischen Kräften der DDR, die Zivilcourage riskierten, das Krisen-bewusstsein schärften und nicht zuletzt einen Demokratieprozess einforderten […]“ (S. 6).

Man spürte etwas von der Glückseeligkeit der Halblegalität im Schutzmantel der evangelischen Kirche. Eine flaue Idealisierung scheint auch durch. Nicht nur dass knapp 300 oppositionelle „Gruppen und Grüppchen“ – davon circa 60  bis 80 Umweltgruppen – die DDR Dank ihrer kritischen Fragen und Haltungen mit zum Wanken gebrachte haben. Die schlappen 300 sind auch eine Aussage über die politische (IN)-Potenz und Relevanz der weit über 10.000 Kirchengemeinden und rund 4000 Pfarrer und Pfarrerinnen Ende der 1980er Jahre in der DDR.  

Knapp und gut nachvollziehbar beschrieben werden die Umweltkrise und die wachsend Sprengkraft der Umweltgruppen (S. 13-24). Bereits 1972 befasste sich die Kirchenleitung der Kirchenprovinz Sachsen (KPS) in Magdeburg mit der Umweltsituation in der DDR und die Synode des Bundes der Evangelischen Kirche in der DDR  (BEK) fragte 1984 nach „der Verantwortung für die Natur […] um solidarisches Problembewusstsein und eine Suchbewegung nach der ökologisch, verantwortlichen Gesellschaft in Gang zu setzen“ (S. 18). Leider werden Theologen der KPS mit hohem ökologischem Bewusstsein wie Heino Falcke oder Friedrich Schorlemmer nicht erwähnt. Angerissen werden die Lernvorgänge in der Repression und die Kraft, die Tabuthemen und deren Aufklärung entfalten können. Beschrieben wird auch die Schutzmantelmadonna evangelische Amtskirche.

Die kreative Vielfalt und Reichweite der Bildungs- und Informationsaktivitäten kirchlicher Umweltarbeit (S. 25-30) werden dargestellt. Ob „Mobil ohne Auto“, „Eine Mark für Espenhain“ oder die „Briefe zur Orientierung im Konflikt-Mensch“ aus dem kirchlichen Forschungsheim Wittenberg (KFH). Auf das KFH, einer Einrichtung der KPS geht Rothe unter der Überschrift „Konflikt und Konkurrenz“ ein. Die erstarkte unabhängige Umweltbewegung rieb sich mit der bereits 1927 gegründeten ehrbaren Einrichtung. Die Arbeit des KFH, der Spinne im (Umwelt)-Netz, die keine sein aber gern so gesehen werden wollte, bedarf noch der zeitgeschichtlichen Betrachtung. Rothe hat mit gutem Recht daran erinnert.

Exemplarisch werden die Aktivitäten der „Erfurter Umweltgruppe in der Oase“ (S. 51-76) und des „Einkehrhauses Bischofsrod“ (S. 77-86) dargestellt. Lebendig wird die Arbeitsweise der Oase“ und das Drängen in die Öffentlichkeit über Info-Stände, Vortragsabende, Ausstellungen oder Seminare beschrieben. Immer wieder verblüffend zu lesen ist die Anziehungskraft der in der DDR unterdrückten Zahlen und Fakten. So auf den überregionalen Luftseminaren. Wichtig war die gleichzeitig Informationen gebende und Identität stiftende Untergrund- oder Samistad-Literatur. Hervorzuheben ist die frühe Internationalität der Erfurter Arbeit. Umwelt wie Demokratie waren und sind weltweit bedroht.

Würdigend festgehalten – und dafür ist besonders zu danken – wird die Arbeit der Bildungsstätte Einkehrhaus Bischofsrod im Henneberger Land. 1979 als themenbezogenes Rüstzeitheim für Kontemplation und Aktion im Umweltsektor ins Leben gerufen, wurde Bischofsrod zum Durchlauferhitzer des konziliare Prozesse und der Schöpfungsverantwortung. Getragen wurde es von den Ehepaaren Fahr und Winkelmann. In den 1990er Jahren musst die Arbeit eingeschränkt und 2015 ganz aufgegeben werden. An Bischofsrod wie der Erfurter "Oase" zeigt Rothe: Aufklärung machte Sinn, denn weithin war es dunkel. Unrecht und Unwahres stützten sich mit Offiziellen Die Gruppen aber waren vereinzelte und zeitweise wirkmächtige Gegenöffentlichkeit. Somit ein Ferment in der friedlichen Revolution 1989/90.

Ein Glück ist, dass Rothe über die Jahre viel gesammelt hat. So entsteht ein lokales Bild mit konzentrischen Kreisen. Weiteres möchte man lesen. Für den Umfang der Broschüre zitiert Rothe viel aus Stasiunterlagen, auch aus Eigenen. Woraus soll man auch zitieren beim Berichten aus Zeiten mit Zensur und  Veröffentlichungsverboten? Ein klassisches Dilemma. So bleibt’s: Die einzige Objektivität ist die gekennzeichnete Subjektivität. Die Broschüre wird herzlich empfohlen zu lesen! Den Alten zum Erinnern und Erwärmen, den Jungen zum Vergleichen und Erkennen.

 

Dr. Hans-Joachim Döring

Meldung vom 06. März 2017

Die Förderung der historischen Urteilsfähigkeit bei Schülern

Ein Kurzbericht zum Fachtag Geschichte am 2. März 2017 in Jena

 

„Was macht historische Urteilsfähigkeit im Geschichtsunterricht aus? Welche Unterrichtsarrangements fördern historisches Urteilen? Was sind die Bewertungsmaßstäbe für gelungene Urteile?“ Das sind Fragen, mit denen sich die Lehrer ständig auseinandersetzen. Am 2. März 2017 trafen sie sich zum 4. thüringischen Fachtag Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Organisiert wird der Fachtag zur Lehrerfortbildung einmal im Jahr von der Jenaer Professur für Geschichtsdidaktik und vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm).

Die gut besuchte Veranstaltung begann um 9 Uhr mit den Begrüßungen der Jenaer Professorin für Geschichtsdidaktik, Prof. Dr. Anke John, und der Thillm-Mitarbeiterin für Geschichte, Frau Elke Deparade. Anschließend hielt Frau Prof. John einen Vortrag über „Historische Urteile und Bewertung im Geschichtsunterricht“. In ihren Ausführungen ging sie auf die Förderung der Urteilskraft von Schülerinnen und Schülern über historische Ereignisse mit Anwendung von Wertargumenten ein. Schüler sollen im Geschichtsunterricht erlernen, ihre Meinungen mit auf historischem Wissen fundierten Argumenten zu begründen und diese mit Gegenwartsbezug zu bewerten. Folglich sollen die Schüler darin gefördert werden, auch Sach- und Werturteile leisten zu können. Außerdem erwähnte Frau John die Notwendigkeit, die Schüler im Geschichtsunterricht für geschichtskulturelle Themen und Debatten in der Gesellschaft zu sensibilisieren. Dabei erwähnte sie als aktuelles Beispiel die gegenwärtige Diskussion über das geplante „Freiheits- und Einheitsdenkmal“ in Berlin.

Nach der Präsentation gab Dr. Steffi Hummel, akademische Rätin am Lehrstuhl Geschichtsdidaktik, eine kurze Einführung in die Workshops. Die Teilnehmer/innen des Fachtags konnten aus vier angebotenen Workshops, die jeweils aus zwei einstündigen Runden bestanden, auswählen: 1. „Die Geschichtsprüfung: Aufgaben, Materialien und Bewertungsmaßstäbe“ bei Frau John, 2. „‚So eine richtige Diktatur war das ja nicht‘ Die DDR im Urteil thüringischer Abiturientinnen und Abiturienten“ bei Kathrin Klausmeier (Referendarin am Studienseminar Dortmund), 3. „Urteilsfähigkeit erwerben. Lernarrangements für den Geschichtsunterricht“ bei Steffi Hummel sowie 4. „Historische Urteilsbildung im Museum? Fallbeispiele am außerschulischen Lernort“ bei Museumspädagogin Ulrike Ellguth-Malakhov vom Stadtmuseum Jena.

Nach der Kaffeepause gingen alle Teilnehmer in einen der vier Kurse. Ich wählte den Workshop bei Kathrin Klausmeier aus, die darin ihr Dissertationsprojekt zur Haltung von Thüringer Abiturientinnen und Abiturienten gegenüber dem Diktaturcharakter der DDR vorstellte. Frau Klausmeier wird in einer kommenden Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ einen Artikel über die Ergebnisse ihrer interessanten Doktorarbeit veröffentlichen, weshalb an dieser Stellen nur einige ihrer Erkenntnisse erwähnt seien. So fand sie heraus, dass die DDR für die Mehrheit der Schüler heute keine "richtige Diktatur“ darstellt. Das Schülerwissen über die DDR stammt neben dem Geschichtsunterricht vor allem aus Gesprächen innerhalb der Familie. Hier sind die Eltern noch vor den Großeltern die wichtigste Informationsquelle.

Die Workshop-Teilnehmer beschäftigten sich in Partnerarbeit mit Meinungen von Schülern zum Diktaturcharakter der DDR. Die Informationen stammen aus Interviews, die Katrin Klausmeier mit verschiedenen Schülergruppen führte, die zur Zeit der Befragung in der 11. Klasse waren. In einer zweiten Workshop-Runde präsentierten die Kursteilnehmer schließlich untereinander ihre Ergebnisse. Mit einer Abschlussdiskussion aller Teilnehmer, in der Feedbacks und Anregungen für zukünftige Veranstaltungen geäußert wurden, endete der diesjährige Fachtag Geschichte an der Universität Jena. Aus meiner Sicht war der Fachtag Geschichte eine sehr spannende und informative Veranstaltung, die ich jedem Geschichtslehrer – egal ob neu oder schon erfahren – sehr empfehle.

 

Christian Ebel

Bachelorstudent Geschichte/Politikwissenschaft

 

Meldung vom 26. Februar 2017

Vielfältige Vereinsarbeit & neuer Vorstand der Geschichtswerkstatt Jena

Im Rahmen einer produktiven und lebhaften Mitgliederversammlung der Geschichtswerkstatt Jena e.V. am 24. Februar stand neben vielen Tagesordnungspunkten und Diskussionsbeiträgen auch die Wahl eines neuen Vorstands für die Amtszeit 2017 bis 2019 an.
Den Vorstand der Geschichtswerkstatt Jena e.V. bilden nunmehr: Dr. Henning Pietzsch (Vorsitzender), Torsten Eckold (stellv. Vorsitzender und Schatzmeister) sowie als Beisitzer Maria Palme, Stefan Walter und Daniel Börner. Als Kassenprüfer wurde erneut Dr. Michael Ploenus gewählt.
Wir danken allen Mitgliedern (in nah und fern) für Ihr kontinuierliches Engagement, Ihre Ideen und Initiativen, um gemeinsam die Vereinsanliegen und -ziele voranzubringen. Gleichzeitig freuen wir uns auf die anstehenden Veranstaltungen und Projekte im laufenden Jahr (dazu bald mehr auf unserer Internetseite)! Falls Sie selbst Mitglied werden und/oder sich in den Verein einbringen möchten, kontaktieren Sie uns: per eMail, telefonisch oder über unser Kontaktformular.

Im Bild (v.l.n.r.): Dr. Michael Ploenus (Kassenprüfer), Ralf Peschel, Arne Petrich, Dr. Henning Pietzsch (Vorsitzender), Torsten Eckold (stellv. Vorsitzender/Schatzmeister), Christine Friedrich, Stefan Walter (Beisitzer), Prof. Dr. Karl-Heinz Friedrich, Daniel Börner (Projektmanager), fotografiert hat (deshalb nicht im Bild) Katrin Sauerwein (Projektmitarbeiterin).

 

Ein seit dem Jahr 2009 von der Geschichtswerkstatt Jena entwickeltes Projektformat ist die "Zeitzeugenwerkstatt", die wir stetig fortführen und erweitern. Intention und Grundgedanke zur Dokumentation von Zeitzeugen-Interviews ist die Wahrung und Sicherung von Erinnerungszusammenhängen, historischen Ereignissen und individuellen, biografischen Erlebnissen.

Der ab jetzt im YouTube-Kanal der Geschichtswerkstatt verfügbare, fünfte Teil der Zeitzeugenwerkstatt (entstanden 2015) verknüpft Erlebnisse und Erinnerungen der Jahre 1989/1990 mit einer persönlichen Rückschau und individuellen Bilanz nach einem Vierteljahrhundert. Entstanden ist eine verdichtete Collage aus Interviews mit 26 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen im 26. Jahr der Wiedervereinigung. Die wechselvollen Ereignisse zwischen Friedlicher Revolution 1989 und Deutscher Einheit 1990 boten Anlass für eine Zwischenbilanz: Was ist gelungen, was missglückt und welches persönliche Fazit kann heute gezogen werden?

Meldung vom 17. Februar 2017

"Sagen, was ist!" Tagungsband zum Schriftsteller Jürgen Fuchs erscheint zur Buchmesse

Der von Ernest Kuczyński edierte und herausgegebene Sammelband Sagen, was ist! Jürgen Fuchs zwischen Interpretation, Forschung und Kritik erscheint zur diesjährigen Leipziger Buchmesse (23. bis 26. März 2017) im Dresdner Neisse Verlag. Enthalten sind Beiträge der Fuchs-Tagung aus dem vergangenen November in Breslau sowie weitere Texte und Dokumente über Jürgen Fuchs (1950–1999). Der Germanist und Deutschlandforscher Kuczyński benennt das Ziel des neuen Bandes: "Aufmerksamkeit auf den Schriftsteller Jürgen Fuchs zu lenken, seine Literatur im akademisch-wissenschaftlichen Umfeld zu verbreiten sowie einen Beitrag zur Etablierung und Belebung der Jürgen-Fuchs-Forschung zu leisten."

Mehr Informationen über das Buch und den Verlag finden sich hier.

 

Zum Schriftsteller, Psychologen und Bürgerrechtler Jürgen Fuchs sind zuletzt auch zwei Tagungsbände im Wissenschaftsverlag Garamond (Jena) erschienen. Im Jahr 2011 der von Martin Hermann und Henning Pietzsch herausgegebene Band DDR-Literatur zwischen Anpassung und Widerspruch (= Schriftenreihe des CEJ, Bd. 43), mit Ergebnissen eines wissenschaftlichen Kolloquiums, welches zu Ehren des 60. Geburtstages von Jürgen Fuchs im November 2010 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena abgehalten wurde, sowie im Jahr 2016 der Band Leben ohne Freiheit - Jürgen Fuchs und die DDR Welche Lehre? (= Schriftenreihe des CEJ, Bd. 45), basierend auf Vorträgen eines weiteren Fuchs-Kolloquiums im Oktober 2014, herausgegeben von Martin Hermann (Kurator des Collegium Europaeum Jenense (CEJ) und Vereinsmitglied der Geschichswerkstatt Jena).
Meldung vom 02. Februar 2017

Zur Aktualität von George Orwells "1984" im Jahr 2017

Ein Kommentar unseres langjährigen "Gerbergasse 18"-Autors Baldur Haase aus Jena:

 

Steht der neue Präsident der USA als „Big Brother“ in den Startlöchern?

 

Es gibt kaum einen Roman der Weltliteratur – außer George Orwells Werk „1984“, der utopischen Vision eines totalitären  Überwachungsstaates –  von dem gesagt werden kann, die Gemüter weltweit immer wieder zu bewegen. Seit sieben Jahrzehnten wird das Buch unterschiedlich ausgelegt und beurteilt. Von Literaturkennern als Erzählung gewürdigt, mit dem der Autor die moderne Science-Fiction Literatur begründet haben soll und von den Machthabern der SED-Diktatur in der DDR als „antisozialistische Hetzschrift“ verfemt, die damit ihrem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und ihrer Justiz Grundlagen in die Hände gaben, Orwell-Leser nach dem politischen Strafrecht zu verfolgen, anzuklagen und in Gefängnisse zu werfen.

Für mich gibt es auf der Welt nur einen einzigen Staat, dem es gelang, Orwells fiktive Diktatur „Ozeanien“ nahezu vollständig zu kopieren. Das ist Nordkorea! In anderen Ländern sind literarische Figuren und Zitate aus „1984“ zu allgemein bekannten Schlagwörtern und Metaphern geworden, wenn es darum geht, auf  Erscheinungen und Missstände aufmerksam zu machen, die befürchten lassen, dass die Regierenden vorhaben, persönliche Freiheiten und allgemeine Menschenrechte einzuschränken oder sogar abzuschaffen.  Bleibt noch zu erwähnen, dass sich George Orwell (1903–1950) im Grabe umgedreht haben könnte, angesichts der seit 1990 produzierten und in der ganzen Welt ausgestrahlten Fernsehshow „Big Brother“. Zu seinen Lebzeiten hätte er es sich verbeten, seine –  mit letzten Kräften als todkranker Mann niedergeschriebene Mahnung vor Totalitarismus  jeglicher Art – als Basis für eine triviale Unterhaltungsschau zu missbrauchen.

Aber da gab und gibt es zum Glück überall unzählige Menschen, die in seinem Sinne handeln. Es sind jene, die dem neuen Präsidenten der USA, Donald Trump, keine Führungsqualitäten als mächtigstem Mann der Welt zutrauen und befürchten, dass er nicht nur ihr Land, sondern die ganze Erde in eine ungewisse Zukunft führen, wenn nicht gar ins Chaos stürzen könnte. Im Internet kursieren sogar schon Berechnungen eines in greifbare Nähe gerückten Endes der Menschheit. Angesichts der Massenvernichtungswaffen, die sich in den Händen von Staaten befinden, die sich feindlich gegenüberstehen, vielleicht gar nicht so abwegig. Mr. Trump hat in wenigen Tagen und Wochen schon derart zahlreiche Befürchtungen geweckt, womit er seine Amtsvorgänger in den Schatten stellen könnte. So ist es kein Wunder, wenn Orwells „1984“ in den USA (aber nicht nur dort) größere Neuauflagen erlebt und auf Bestsellerlisten wieder weit nach vorne rückt. Und so, wie ich 1958 als Jugendlicher Orwells Roman von einem westdeutschen Brieffreund erhalten hatte und beim Lesen Vergleiche zwischen Orwells Ozeanien und meiner DDR-Wirklichkeit anstellte (was mir mehr als drei Jahre Zuchthaus einbrachte), kann ich mir vorstellen, dass besorgte USA-Bürger nun Ähnliches tun, indem sie Orwells  Schilderungen mit Trumps Handlungen vergleichen.

Freilich, ihnen drohen keine Gefängnisstrafen und „1984“ ist nach wie vor frei verkäuflich. Aber, der Präsident hat bereits viele politische Beamte, darunter die Justizministerin, entlassen, weil sie mit seinen Einreiseverboten für Bürger bestimmter muslimischer Staaten nicht einverstanden war. Die Geschichte lehrt uns, dass so mancher Diktator „klein“ anfing.

 

Abbildung: Baldur Haase mit seiner Buchausgabe "1984" von George Orwell.

 

Literaturempfehlung:

Baldur Haase: George Orwells Bücher und wie sie Orwells Leser in der DDR ins Zuchthaus führten, hrsg. von der Landesbeauftragten des Freistaates Thüringen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Erfurt 2005.

(Das Buch ist noch in begrenzter Stückzahl über die Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.)

 

Meldung vom 24. Januar 2017

Zum Zehnten: Die Geschichtsmesse in Suhl glänzte durch Vielfalt und Diskussionen

Für die 10. Auflage der Geschichtsmesse fanden sich über 300 Besucher im Suhler Ringberg Hotel ein, um an drei Tagen gemeinsam über aktuelle Herausforderungen, alte Fragen und neue Projekte ins Gespräch zu kommen. Ausgerichtet und organisiert wird das bundesweit einmalige Messeformat mit großem Eifer und traditionell am Anfang des Jahres von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

 

Unter dem dreigeteilten Komplex „Kommunismuserbe – Populismus – Extremismus“ ging es vom 19. und 21. Januar um Themenfelder zwischen Gegenwart und Zukunft der historischen Aufarbeitung sowie den Demokratien in Europa, orientiert an konkreten Problemstellen und momentanen Gefahren. Auffällig sei, so Dr. Anna Kaminsky in ihren Eröffnungsworten, dass die gegenwärtige Situation davon gekennzeichnet ist, die Demokratie zunächst wehrhaft verteidigen zu müssen, als wie früher „nur“ kontinuierlich verbessern zu wollen. Dabei ist die schlichte Gegenüberstellung eines „wir gegen die“ zu einfach. Es gilt miteinander auf Augenhöhe zu diskutieren, ohne dabei die eigenen, demokratischen Wertvorstellungen zu vergessen. Auch dem gelegentlichen Vorurteil außenstehender Beobachter wurde begegnet, die Geschichtsmesse sei ein isolierter Tummelplatz allein für DDR-Forscher. Im Gegenteil: Die Geschichte der DDR ist zugleich Bestandteil einer gesamtdeutschen und damit auch europäischen Geschichte, nicht etwa ein abgeteilter Sonderforschungsbereich. Die Aktualität der Messe wurde nicht nur am vollen Tagungssaal deutlich, ebenso an der Vielfalt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer:  Praktiker und Bildner, Wissenschaftler/innen, Lehrer/innen und Schüler/innen, Journalisten, Zeitzeugen, Museums- und Gedenkstättenmitarbeiter, Promovenden, Ehrenamtliche sowie natürlich Historiker/innen.

In diesem Jahr galt dem bevorstehenden Ereignisraum „100 Jahre Oktoberrevolution“ erhöhte Aufmerksamkeit, zu dem zahlreiche Veranstaltungen, Internetangebote und diverse Publikationen im Entstehen begriffen sind. Zum Auftakt wurde skizziert, dass es die erklärte Absicht der ausrichtenden Bundesstiftung ist, sich nicht nur dem Ereignis selbst, sondern vor allem den Folgen seit 1917 nachzugehen – Folgen, die bis in die unmittelbare Gegenwart reichen. Ziel ist ein Verbund aus Veranstaltungs- und Medienformaten, Tagungen und Veröffentlichungen sowie einer Sonderförderung von dezentralen Projekten in ganz Deutschland. Das eigene Jubiläum, nämlich die seit 2008 zum zehnten Mal stattfindende Messe, wurde eingangs mit einer spannenden Fotodokumentation im Querschnitt vorgestellt. Sinn und Zweck waren und sind die Merkmale: anstoßen, informieren, fördern, vernetzen. Äußeres Zeichen des Erfolges ist die inzwischen verdoppelte Teilnehmerzahl in Suhl.

Nach der Begrüßung folgte ein Experten-Podium zum Stand, Modellen und Zukunftserwartungen der Politischen Bildung in Deutschland. Während der Status der politisch-historischen Bildung innerhalb der förderalistischen Strukturen unterschiedlich stark ausgeprägt und finanziert ist, blickten die Podianten dennoch auf ein Erfolgsmodell zurück, gerade im Vergleich zu anderen Ländern in Europa. Politische Bildner/innen können als Brückenbauer und im Netzwerk dauerhaft dabei helfen, historische Wurzeln offenzulegen, Wissen zu vermitteln, Neugier zu wecken oder Prävention zu leisten, um Antworten und Reaktionen auf vereinfachte oder radikale Lösungen zu liefern, egal ob im schulischen oder außerschulischen Wirkungsbereich. Die steigende Tendenz zu „Echokammern“ oder sogenannten „Mini Publics“, in denen nur die eigenen Meinungen bestätigt werden, verkürzen und fragmentieren die Reichweite von Bildungsangeboten demokratischer Projektträger oder Initiativen aus der Zivilgesellschaft. Mit dem Befund, dass durch bisherige Angebote oft nur noch Teile der Bevölkerung, ob jung oder alt, erreicht werden, muss die Gesamtheit der politischen Bildner selbstkritisch umgehen – von den großen Bildungszentralen mit Millionenbudgets bis zu den kleinen Vereinen auf lokaler Ebene, die jährlich um ihre Existenz kämpfen. Eine weitere Gefahr wurde mit der verbreiteten Neigung benannt, jedes Anliegen gerne ins Internet, auf Videoplattformen oder in kurzlebige Apps auszulagern. Politische Bildung aber darf nicht immateriell werden, trotz aller Innovationspotentiale, sondern beruht weiterhin auf persönlichem Engagement und dem Einsatz vor Ort. Holger Kulick, tätig für die Bundeszentrale politische Bildung, fand für das Bündel an Aufgaben eine passende Metapher: Politische Bildung ist kein Sprit, sondern vielmehr einen Dauerlauf, wo hinter jeder Kurve eine neue Prüfung wartet. Differenzierung darf nicht durch Diffamierung aufgegeben werden, nicht im Internet, nicht in den sozialen Medien, nicht am Stammtisch, nicht im Klassenzimmer, nicht im Hörsaal.

Ein späteres Podium warf einen kursorichen Blick auf die Lage und die Perspektiven der Aufarbeitung in Europa. Gäste aus Albanien, Estland, Serbien und Rumänien trugen viel zum Verständnis der zumeist stark national geprägten Hinterlassenschaft des Kommunismus bei. Dabei wurde bei aller internen Kritik hierzulande deutlich, wie weit fortgeschritten, ausdifferenziert, stabil und aus anderen Ländern bestaunt die Aufarbeitung in Deutschland dasteht. Viele Länder in Ost- und/oder Südosteuropa haben nämlich entweder keinen oder einen nur rudimentär funktionierenden Umgang – gesetzlich wie auch gesellschaftlich – gefunden, um das Erbe der kommunistischen Diktaturen kritisch aufzuarbeiten. Wahlweise verknüpfen sich Amnestie und Amnesie miteinander. Eine nationale Tagespolitik und/oder strategische Bündnisse postkommunistischer Milieus dominieren häufig die Deutung der Vergangenheit.

Eine multimediale und szenische Lesung über den Filemacher und Schriftsteller Thomas Brasch (1945–2001) unter dem Titel „Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.“ beschloss den ersten Konferenztag poetisch. Die Gespräche zum Messeverlauf endeten aber erst weit nach Mitternacht.

Zu Beginn des zweiten Tages unterrichte die Bundesstiftung über geplante eigene Vorhaben zum diesjährigen Themenschwerpunkt „Der Kommunismus – Utopie und Wirklichkeit“. Ein weiteres Podium im Anschluss ging der Frage nach, wie nah oder fern wir gegenwärtig dem alarmierenden Zustand der späten Weimarer Republik stehen. Reaktionen aus dem Publikum zeigten, dass in der Analyse zum Grad der Bedrohung durch antidemokratische Tendenzen kaum Einigkeit herrscht. Zu den Besonderheiten der Geschichtsmesse gehört die enorme Spannbreite an Projektvorstellungen, die traditionell am Messefreitag stattfinden. Über 50 Einzelprojekte wurden in achten Sektionen und einem Workshop bis zum späten Nachmittag parallel präsentiert. Um die Rolle von Frauen in der DDR, die ein Film mit anschließender Diskussion begleitete, ging es am zweiten Messeabend. Freya Klier, Autorin und Regisseurin eines neuen Films über den Alltag von DDR-Frauen, und Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung und Autorin einer neuen Gesamtdarstellung über „Frauen in der DDR„ (Berlin: Ch. Links Verlag 2016), sprachen über nervige Klischees, Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Frauenbildes vor und nach 1990.

Am Samstagvormittag fokussierte nochmals ein Vortrag über „Populismus und Vergangenheitsaufarbeitung des Kommunismus in Europa“ den Blick auf die momentane und mitunter unübersichtliche Ist-Situation, die vom abschließenden Podium zu den Herausforderungen der Demokratie zwischen Einwanderungsgesellschaft, Flüchtlingspolitik und Extremismus vertieft und weiter gedacht wurde.  Mit dem Aufruf zum Besuch der 11. Geschichtsmesse Anfang 2018 verabschiedeten sich die Besucher in alle Himmelsrichtungen vom eingeschneiten Tagungsort.

Die Geschichtswerkstatt Jena war während der Messetage mit einem eigenen Stand vertreten, konnte viele neue Kontakte knüpfen, Interessierte mit der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ bekanntmachen, über aktuelle Vereinsprojekte (Bildungsprojekte & Zeitzeugenwerkstatt) informieren sowie Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen.

Die Abbildungen in ihrer Reihenfolge: Das Ringberg Hotel in Suhl, vorne im Bild ein Ausstellungs- und Projektcontainer von Hans Ferenz zum Thema "Flucht und Ankunft"; Blick auf den Stand der Geschichtswerkstatt Jena mit Material und Publikationen auf dem Markt der Möglichkeiten; Michael Geithner und Martin Thiele-Schwez bei der Vorstellung ihres neues Geschichtsspiels "Wendepunkte"; Tom Sello (stehend) spricht zur neuen Open-Air-Ausstellung der Robert-Havemann-Gesellschaft in Berlin; Dr. Jens Hüttmann (Mitte) im Gespräch mit Patrick Bahners (FAZ) und Sebastian Ullrich (C. H. Beck Verlag) zur Leitfrage "Leben wir wieder in Weimar?"; abschließendes Podium im großen Tagungssaal zu den "Herausforderungen der Demokratie".

Fotos: Katrin Sauerwein & Daniel Börner

Meldung vom 14. Januar 2017

10. Geschichtsmesse in Suhl: Kommunismuserbe – Populismus – Extremismus

 Die inzwischen 10. Geschichtsmesse, organisiert und ausgerichtet von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, findet vom 19. bis 21. Januar 2017 statt. Unter dem Rahmentitel „Kommunismuserbe – Populismus – Extremismus: Herausforderungen für die historische Aufarbeitung und die Demokratie in Europa" treffen sich mehr als 300 Besucherinnen und Besucher für eine dreitägige Fachtagung im Ringberg Hotel, oberhalb der Stadt Suhl. Durch zahlreiche Vorträge, Filmveranstaltungen, Projekt- und Buchvorstellungen sowie Podiumsdiskussionen wird eine vielfältige und öffentliche Auseinandersetzung mit der jüngsten Zeitgeschichte angeboten. Willkommen sind alle, die sich über Stand und Perspektiven der Aufarbeitung, Konzepte des historischen Lernens, über Neues aus Forschung und Wissenschaft, die praktische Arbeit in Museen und Gedenkstätten oder aktuelle Bildungsfragen, egal ob schulisch oder außerschulisch, informieren möchten.

Auch die Geschichtswerkstatt Jena e.V. ist – wie in jedem Jahr – mit einem Stand auf der Messe vertreten. Wir freuen uns auf spannende Tage, neue Eindrücke und Erkenntnisse sowie interessante Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Messegästen.

Weitere Informationen zur Geschichtsmesse, eine Programmübersicht, das Lesebuch mit allen Programmpunkten und Einzelveranstaltungen bzw. Angaben zur Anreise/Übernachtung bietet die Seite: www.geschichtsmesse.de

Meldung vom 09. Januar 2017

Themenvorschau „Gerbergasse 18“ : Vier neue Ausgaben im Jahr 2017

Auch im 22. Jahrgang der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ werden wieder vier neue Ausgaben erscheinen. Alle Leserinnen und Leser dürfen – wie von uns gewohnt – auf vielfältige und informative Beiträge zu jeweils unterschiedlichen Schwerpunktthemen, zur Zeitgeschichte und dem Zeitgeschehen sowie Rezensionen zu lesenswerten Neuerscheinungen gespannt sein.

Die Titelthemen 2017 lauten:

Heft 82: Umwelt(-schutz)

Heft 83: 100 Jahre Oktoberrevolution

Heft 84: Wirtschaftsfragen

Heft 85: Geschichte(n) im Film

 

Ein Abonnement der „Gerbergasse 18“ für vier Ausgaben kostet 14,00 € inkl. Versand. Einzelhefte sind für je 3,50 € erhältlich. Ältere und noch lieferbare Ausgaben (bis 2012) geben wir für 1,00 € pro Heft ab.

Für alle Neuabonnenten bis 31. Januar 2017 legen wir als Zugabe zehn Einzelhefte nach freier Wahl oben drauf. Bestellungen bitte richten an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Abbildung: Collage der zwischen 1996 bis 2016 erschienenen Ausgaben für die Jubiläumsnummer Heft 80 im Herbst 2016. Quelle: GWS

 
 
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