Meldungen des Jahres 2017

Meldung vom 06. März 2017

Die Förderung der historischen Urteilsfähigkeit bei Schülern

Ein Kurzbericht zum Fachtag Geschichte am 2. März 2017 in Jena

 

„Was macht historische Urteilsfähigkeit im Geschichtsunterricht aus? Welche Unterrichtsarrangements fördern historisches Urteilen? Was sind die Bewertungsmaßstäbe für gelungene Urteile?“ Das sind Fragen, mit denen sich die Lehrer ständig auseinandersetzen. Am 2. März 2017 trafen sie sich zum 4. thüringischen Fachtag Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Organisiert wird der Fachtag zur Lehrerfortbildung einmal im Jahr von der Jenaer Professur für Geschichtsdidaktik und vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm).

Die gut besuchte Veranstaltung begann um 9 Uhr mit den Begrüßungen der Jenaer Professorin für Geschichtsdidaktik, Prof. Dr. Anke John, und der Thillm-Mitarbeiterin für Geschichte, Frau Elke Deparade. Anschließend hielt Frau Prof. John einen Vortrag über „Historische Urteile und Bewertung im Geschichtsunterricht“. In ihren Ausführungen ging sie auf die Förderung der Urteilskraft von Schülerinnen und Schülern über historische Ereignisse mit Anwendung von Wertargumenten ein. Schüler sollen im Geschichtsunterricht erlernen, ihre Meinungen mit auf historischem Wissen fundierten Argumenten zu begründen und diese mit Gegenwartsbezug zu bewerten. Folglich sollen die Schüler darin gefördert werden, auch Sach- und Werturteile leisten zu können. Außerdem erwähnte Frau John die Notwendigkeit, die Schüler im Geschichtsunterricht für geschichtskulturelle Themen und Debatten in der Gesellschaft zu sensibilisieren. Dabei erwähnte sie als aktuelles Beispiel die gegenwärtige Diskussion über das geplante „Freiheits- und Einheitsdenkmal“ in Berlin.

Nach der Präsentation gab Dr. Steffi Hummel, akademische Rätin am Lehrstuhl Geschichtsdidaktik, eine kurze Einführung in die Workshops. Die Teilnehmer/innen des Fachtags konnten aus vier angebotenen Workshops, die jeweils aus zwei einstündigen Runden bestanden, auswählen: 1. „Die Geschichtsprüfung: Aufgaben, Materialien und Bewertungsmaßstäbe“ bei Frau John, 2. „‚So eine richtige Diktatur war das ja nicht‘ Die DDR im Urteil thüringischer Abiturientinnen und Abiturienten“ bei Kathrin Klausmeier (Referendarin am Studienseminar Dortmund), 3. „Urteilsfähigkeit erwerben. Lernarrangements für den Geschichtsunterricht“ bei Steffi Hummel sowie 4. „Historische Urteilsbildung im Museum? Fallbeispiele am außerschulischen Lernort“ bei Museumspädagogin Ulrike Ellguth-Malakhov vom Stadtmuseum Jena.

Nach der Kaffeepause gingen alle Teilnehmer in einen der vier Kurse. Ich wählte den Workshop bei Kathrin Klausmeier aus, die darin ihr Dissertationsprojekt zur Haltung von Thüringer Abiturientinnen und Abiturienten gegenüber dem Diktaturcharakter der DDR vorstellte. Frau Klausmeier wird in einer kommenden Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ einen Artikel über die Ergebnisse ihrer interessanten Doktorarbeit veröffentlichen, weshalb an dieser Stellen nur einige ihrer Erkenntnisse erwähnt seien. So fand sie heraus, dass die DDR für die Mehrheit der Schüler heute keine "richtige Diktatur“ darstellt. Das Schülerwissen über die DDR stammt neben dem Geschichtsunterricht vor allem aus Gesprächen innerhalb der Familie. Hier sind die Eltern noch vor den Großeltern die wichtigste Informationsquelle.

Die Workshop-Teilnehmer beschäftigten sich in Partnerarbeit mit Meinungen von Schülern zum Diktaturcharakter der DDR. Die Informationen stammen aus Interviews, die Katrin Klausmeier mit verschiedenen Schülergruppen führte, die zur Zeit der Befragung in der 11. Klasse waren. In einer zweiten Workshop-Runde präsentierten die Kursteilnehmer schließlich untereinander ihre Ergebnisse. Mit einer Abschlussdiskussion aller Teilnehmer, in der Feedbacks und Anregungen für zukünftige Veranstaltungen geäußert wurden, endete der diesjährige Fachtag Geschichte an der Universität Jena. Aus meiner Sicht war der Fachtag Geschichte eine sehr spannende und informative Veranstaltung, die ich jedem Geschichtslehrer – egal ob neu oder schon erfahren – sehr empfehle.

 

Christian Ebel

Bachelorstudent Geschichte/Politikwissenschaft

 

 
 
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