Aktuelle Meldungen und Veranstaltungen

Meldung vom 10. Oktober 2017

Neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ mit Schwerpunkt Wirtschaft erschienen

Im neuen Heft der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ stehen diesmal Fragen zur Wirtschaftsgeschichte Ostdeutschlands im Mittelpunkt. Wie vielfältig und kontrovers die Perspektiven bis heute ausfallen, zeigt die Bandbreite der Titelthemen. Zu Beginn verfolgt eine Spurensuche die statistische Karriere der DDR als „eine der führenden Wirtschaftsnationen der Welt“. Ausgangspunkt dafür ist die SED-Propagandaformel „Unter den ersten zehn“, die Mitte der 1960er Jahre verstärkt auftauchte und sogar von westlichen Korrespondenten übernommen wurde. In einem anderen Beitrag analysiert der Historiker Dietmar Remy, der bald eine umfangreiche Biografie über Wolfgang Biermann (1927–2001) veröffentlicht, das Wirken des umstrittenen Zeiss-Generaldirektors, der von 1975 bis Ende 1989 an der Spitze des Kombinats Carl Zeiss Jena stand. Weitere Beiträge untersuchen die ökonomische Bedeutung der Bausoldaten für das SED-Regime, die Wirtschaftsspionage in West-Berlin oder die Struktur des ostdeutschen Treuhandpersonals.

Doch auch die zusätzlichen Texte im Heft zur Zeitgeschichte bieten neue Einsichten. Etwa eine Darstellung über die wenig bekannte Gruppe der Auskunftspersonen (AKP), die abseits der Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) ein dichtes Informanten-Netz in den Wohngebieten bildeten. Der „Weiße Kreis“ war im Sommer 1983 eine lose Gruppe von Ausreisewilligen, die friedlich und zumeist weiß gekleidet auf dem Platz der Kosmonauten (heute Eichplatz) demonstrierten. Heidelore Rutz war mit ihrer Familie dabei und wurde inhaftiert. Sie schildert in einem persönlichen Bericht ihren langen Weg in die Freiheit. Ein Artikel zu den Erinnerungen von Opfern politischer Gewalt, ein Nachruf auf die verstorbene DDR-Fußballlegende Manfred Kaiser, eine Betrachtung zum Phänomen „DDR-Alltags-Museen“ sowie eine Rezension zur verschwiegenen und unterdrückten Literatur bis 1989 runden das Heft ab. Hier mehr zum Inhalt und einige Leseproben.

Die neue Ausgabe 3/2017 der „Gerbergasse 18“ (Heft 84) ist zum Preis von 3,50 € ab sofort im Buchhandel oder direkt bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich (einfach per eMail oder über das Kontaktformular).

Meldung vom 11. September 2017

Fünfteilige Filmreihe im Oktober: Der Mythos – eine Reise in den Roten Oktober

Die Geschichtswerkstatt Jena veranstaltet im Oktober 2017 eine fünfteilige Kinoreihe

zum neuen Dokumentarfilm Der Mythos – eine Reise in den Roten Oktober

(ein Film von NOAHFILM Film- und Fernsehproduktion Berlin).

Die Veranstaltungstermine im Oktober lauten:

10. Oktober, Jena: Kino im Schillerhof (Helmboldstraße 1, 07749 Jena), Beginn: 18 Uhr
11. Oktober, Altenburg: Kino Capitol (Teichplan 16, 04600 Altenburg), Beginn: 20 Uhr
17. Oktober, Weimar: Kommunales Kino im mon ami (Goetheplatz 11, 99423 Weimar), Beginn: 18 Uhr
18. Oktober, Gera: Metropol Kino (Leipziger Straße 24, 07545 Gera), Beginn: 18 Uhr
19. Oktober, Bad Klosterlausnitz: Holzlandkino (Jahnstraße 28, 07639 Bad Klosterlausnitz), Beginn: 18 Uhr


Zu jeder Filmveranstaltung wird im Nachgang ein Publikumsgespräch mit den Filmemachern angeboten.
Eintritt frei.

Film und Veranstaltungen werden gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

 

Mythos Oktoberrevolution

Es ist der Abend des 24. Oktober 1917. Eine kleiner Trupp bolschewistischer Revolutionäre
macht sich auf den Weg, das Winterpalais in Petrograd zu besetzen. Mitglieder der
noch tagenden provisorischen Regierung unter Führung des Sozialrevolutionärs
Alexander Kerenski sollen festgenommen werden. Der Trupp dringt über einen Hintereingang
ein und sucht nach den Räumen, wo die Regierung zusammensitzt. Nur vereinzelt
trifft der Trupp auf Widerstand. Die Verteidiger, vornehmlich ein Frauenbataillon,
geben schnell auf. Viele der eigentlichen Verteidiger des Kadettenbataillons hatten kurz
zuvor den Posten verlassen. Daher verlief die Aktion erstaunlich unblutig.
Jahre später verklärte Sergei Eisenstein diese Aktion in seinem Film „Oktober“ zum
„Sturm auf das Winterpalais“, durchgeführt von revolutionären bewaffneten und
kämpfenden Massen gegen die brutalen Verteidiger der Regierung. Den eigentlichen
Hergang verschweigend, spiegelt der Film von Eisenstein jenen Mythos, der in die Geschichtsbücher
einging. Und er rechtfertigte später alles, was die weltstürzende Nacht
vom 24. auf den 25. Oktober 1917 hervorbrachte: Den „Roten Terror“ als leninsches
Prinzip, das Gulag-System und die politische Entrechtung des Individuums. Es zielte auf
eine vollständige materielle und individuelle Unterdrückung des gesamten Volkes und
war Ausdruck des ideologischen Konzeptes der permanenten Revolution.

Der Film hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Mythos Oktoberrevolution nachzuspüren
und begibt sich dazu an die originalen Schauplätze im russischen St. Petersburg.
Historiker und andere Wissenschaftler helfen, die Vorgänge zu erklären und zu beschreiben.
Was war Realität, was Mythos, und was war das Ergebnis der Oktoberevolution?
Was haben die Bolschewiki damals dem Volk versprochen und was haben sie davon
gehalten? Nach solchen Fragestellungen sieht man den Slogan der Bolschewiki „Frieden,
Brot und Land“ in einem anderen Licht.

Aus heutiger Sicht könnte man auch fragen: Wie viel Russland steckt in der 1922 gegründeten
Sowjetunion und wie viel Sowjetunion im heutigen Russland?
Sehen Sie diesen Film und diskutieren Sie anschließend mit dem Autor Lutz Rentner.
Mit dabei sind die Regisseure Frank-Otto Sperlich oder Tom Franke sowie der Fachberater
des Filmteams, Dr. Henning Pietzsch, Vorstandsvorsitzender der Geschichtswerkstatt
Jena. Sie stellen sich im Anschluss des Films den Fragen des Publikums.

 
 
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