Meldungen des Jahres 2021

Meldung vom 10. Mai 2021

Neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ mit Themenschwerpunkt TREUHAND erschienen

Kaum ein Begriff ist nach wie vor emotional derart aufgeladen, mit scharfen Vorwürfen belegt und unumstößlichen Bewertungen überzogen wie die gerade einmal viereinhalb Jahre aktive Treuhand. Die „Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums“ entstand ursprünglich im März 1990 auf Anregung des Runden Tisches, um die implodierende DDR-Wirtschaft neu zu ordnen und auf die künftigen Herausforderungen zu orientieren. Doch allein die Losungen der damaligen Protestwelle offenbaren das verheerende Urteil: Treuhändler. Treuhenker. Kohls Mafia in Ostdeutschland. Treuhand in die Produktion. Treuhand in Volkshand. Haut der Treuhand auf die langen Finger. Verraten und verkauft. Vielen Dank für die aktive Sterbehilfe. Stets belogen und beschissen, von der Treuhand rausgeschmissen.
Als Treuhand-Präsidentin Birgit Breuel Ende 1994 am Detlev-Rohwedder-Haus in Berlin, benannt nach ihrem am 1. April 1991 ermordeten Vorgänger, symbolisch das Filialschild abschraubte, war das öffentliche Bild der Treuhandanstalt bereits festgelegt: Parallel zur radikalen Umbildung der ostdeutschen Ökonomie haben sich Westfirmen die Filetstücke geschnappt, ansonsten sei lästige Konkurrenz beseitigt worden, die „neuen Länder“ lediglich als neuer Markt und durch billige Arbeitsplätze als verlängerte Werkbank des Westens nützlich gewesen. Doch berücksichtigen diese Deutungen den Stand der aktuellen historischen Forschung? Und was wissen wir, 30 Jahre später, über das Wirken der so umstrittenen wie verhassten Organisation? Die Beiträge der aktuellen „Gerbergasse 18“ hinterfragen das Negativimage der Treuhand mithilfe neuer Quellen und Forschungsbefunde.
Auch die Rubriken Zeitgeschichte und Zeitgeschehen enthalten wieder eine vielfältige Mischung. Darunter ein Werkstattbericht über die biografische Spurensuche zu Hermann Flade, der als Oberschüler gegen die Scheinwahlen in der DDR protestierte und vor 70 Jahren für kurze Zeit in das Zentrum der Weltöffentlichkeit geriet. Ein anderer Artikel im Heft zeigt, wie die SED versuchte, den Glauben im katholischen Eichsfeld zurückzudrängen und daran scheiterte. Ein weiterer Beitrag beleuchtet das sogenannte Neuererwesen innerhalb des Ministeriums für Staatssicherheit, womit die Arbeit der Geheimpolizei noch „erfolgreicher“ gestaltet werden sollte. Einem neuen Standardwerk zur deutsch-deutschen Geschichte, dem Buch „Getrennt und doch vereint“ der Historikerin Petra Weber, ist eine ausführliche Rezension gewidmet.

Die neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ (Heft 98) ist im lokalen Buchhandel, in ausgewählten Museen/Gedenkstätten oder direkt bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich (über unser Bestell- und Kontaktformular).

Eine Inhaltsübersicht und Leseproben finden Sie hier.

Meldung vom 08. April 2021

40. Todestag von Matthias Domaschk am 12. April 2021

Ehrengrab von Matthias Domaschk auf dem Jenaer Nordfriedhof. Foto: GWS

Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), Domaschks ehemalige Lebensgefährtin Renate Ellmenreich und Domaschks enger Freund Peter "Blase" Rösch (†) zur konstituierenden Sitzung der Arbeitsgruppe zur Aufklärung der Todesumstände von Matthias Domaschk, 5. März 2015. Foto: Henning Pietzsch

Am 12. April 1981, vor nunmehr 40 Jahren, starb Matthias Domaschk im Alter von 23 Jahren in Gera. Der Ort seines gewaltsamen Todes, die Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit, ist bekannt, doch das wie ist bis heute nicht restlos aufgeklärt.

Unser Vereinsvorsitzender, Dr. Henning Pietzsch, hat für das online erscheinende "Deutschland Archiv" der Bundeszentrale für politische Bildung den Fall nochmals kompakt dargestellt: www.bpb.de/330728

Wer noch mehr über "Matz", wie ihn seine Freunde nannten, erfahren will, kann das 2019 erschienene Sonderheft unserer Zeitschrift "Gerbergasse 18" erhalten. Im April 2021 aus Anlass des 40. Todestages sogar kostenfrei! Eine kurze Nachricht (mit Adresse) über unser Kontaktformular genügt.

 
 
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