Ein Manifest der Liebe und der Hoffnung: Der Film "Partitur des Krieges – Leben zwischen den Fronten" wurde in Jena und Gera vorgestellt - Geschichtswerkstatt Jena e.V.

Meldungen des Jahres 2018

Meldung vom 02. Mai 2018

Ein Manifest der Liebe und der Hoffnung: Der Film "Partitur des Krieges – Leben zwischen den Fronten" wurde in Jena und Gera vorgestellt

Am 28. und 29. April zeigten die Kinos Schillerhof in Jena und Metropol in Gera den Dokumentarfilm "Die Partitur des Krieges – Leben zwischen den Fronten", der von einer musikalischen Lesung eingeleitet und einem intensiven Publikumsgespräch abgeschlossen wurde.

Ein Traum: Musiker aus Donezk und Kramatorsk in der Ostukraine gehen an die „Front“ und spielen jeweils eine Sinfonie von Mark Chaet. Die Gewehre müssten schweigen und die Soldaten weinen. Nach dem Konzert verbrüdern und weigern sie sich, weiter zu kämpfen, für wen auch immer. Liebe und gegenseitige Hilfe bestimmen den Wiederaufbau. Die Wirtschaft würde sich erholen und die Menschen könnten wieder von ihrer Hände Arbeit leben, Familien gründen, unbeschwert ihren Alltag genießen und in Frieden alt werden. Ende gut, alles gut?

Welche Politiker, welche Verantwortlichen wollten das verhindern?

Stellen wir uns also vor, es war Krieg und keiner hat bemerkt, dass er aufhörte.

Dem Film von Tom Franke, Armin Siebert und Mark Chaet ist zu wünschen, dass er sehr viele Zuschauer erreicht und bei ihnen mehr auslöst als „nur“ die distanzierte Betrachtung eines abstrakten Kriegszustandes in einem fernen Land.

Der Film überzeugt gerade deshalb, weil er nah am Menschen ist, nicht die Politik vorschiebt und sich im Kommentar völlig zurück hält. Die Menschen selbst sprechen für sich und über ihren Alltag im Zustand eines eingefrorenen Krieges. Viele der Gedanken der Protagonisten sind emotional kaum auszuhalten. Doch gerade daraus entsteht eine intensive und imaginäre Brücke zwischen den Protagonisten und den Zuschauern. Man möchte die Protagonisten am liebsten selbst umarmen, sie trösten und ihnen Hoffnung geben, einfach menschlich sein, wie die Protagonisten in diesem Film es selbst sind. Ihre Gedanken, die Bilder und die Gesichter zeigen, was mit Menschen geschieht, die sich im Kriegszustand befinden, wie Überleben zum gewöhnlichen Alltag wird, Krieg zur Normalität. Gewöhnen wir uns an alles? Können wir uns an all das gewöhnen, auch anderswo?

Warum ist Krieg? Warum zerstören wir uns gegenseitig? Wem nützt das? Wer ist an dem seit 2014 andauernden Kriegszustand in der Ostukraine schuld? Die Anderen sind an allem Schuld, so sagen es jedes Mal die politisch Verantwortlichen. Und was denken, was fühlen Menschen, die davon direkt betroffen sind?

Wer waren und wer sind jene, die die mörderische Gewalt auf sich nehmen, und wer sind jene, die Gewalt immer wieder stützten, egal wo auf dieser Welt? Viele Menschen haben offenbar wenig bis gar nichts aus der Geschichte gelernt – weil wir es nicht können oder nicht wollen? Es bleibt unbegreiflich, was Menschen anderen Menschen antun, uns immer wieder Zerstörung und Tod bringen. Diesem Wahnsinn stellt sich der dokumentarische Film „DIE PARTITUR DES KRIEGES – Leben zwischen den Fronten“ als universelles Zeugnis entgegen. Er ist ein Manifest der Liebe und der Hoffnung zugleich.

Dr. Henning Pietzsch

Fotos: Veranstaltung mit Mark Chaet und Tom Franke am 28. April 2018 in Jena, Fotograf: Henning Pietzsch

 
 
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