Meldungen des Jahres 2016

Meldung vom 08. Januar 2016

Die Zeitzeugenwerkstatt als Gedächtnis der Region – Erinnerungen des Theologen und Ehrenbürgers Klaus-Peter Hertzsch (1930–2015)

 

„Es reicht nicht aus, nur zu sagen was bisher falsch war, sondern wir müssen auch wissen was wir jetzt besser machen wollen.“ An diese Maxime erinnert sich der Theologe Klaus-Peter Hertzsch, wenn er an seine Rede vor Tausenden während der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 in Jena zurückdenkt.

Klaus-Peter Hertzsch ist am 25. November 2015 im Alter von 85 Jahren in Jena verstorben, seit November 2011 war er Ehrenbürger der Stadt Jena. Nach der Schulzeit in Eisenach und seinem Studium der Theologie ab 1949 war er von 1957 bis 1959 Gemeindepfarrer in Jena, 1959 bis 1966 ebendort Studentenpfarrer, danach Leiter der Geschäftsstelle der Evangelischen Studentengemeinden der DDR in Berlin. 1967 erfolgte die Promotion zum Doktor der Theologie in Halle. Von 1968 bis zur Emeritierung 1995 war er Professor für Praktische Theologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, seine Antrittsvorlesung trug den wegweisenden Titel „Praktische Theologie als Erzählkunst“. Seit 1977 war er ebenfalls Mitglied der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR sowie der Thüringer Landessynode.

Hertzsch, geboren 1930 in Eisenach, war ein äußerst vielseitiger Theologe und Autor, der zudem geistliche Lieder und Gedichte schrieb. Berühmt und bekannt ist insbesondere sein Lied „Vertraut den neuen Wegen“ aus dem Jahr 1989 geworden (Evangelisches Gesangbuch, Nr. 395). Nach seiner Emeritierung hielt er weiterhin regelmäßig Vorträge vor einem treuen Publikum und war als Buchautor sehr aktiv. Im Jahr 2008 wurde ihm die Martin-Luther-Medaille des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland verliehen.

Im Rahmen der 1. Zeitzeugenwerkstatt (2009) sprachen wir mit Prof. Hertzsch vor allem über seine Erinnerungen und Erlebnisse während des Herbstes 1989 bis zu den ersten freien Wahlen in der DDR im März 1990, ebenso über seine Bewertung und Bilanz der politischen Ergebnisse der Deutschen Einheit. Mit Auszügen aus diesem lebendigen Zeitzeugengespräch möchten wir an den Menschen und Theologen Klaus-Peter Hertzsch erinnern, aber auch auf die Bedeutung und Kraft von Zeitzeugenerinnerungen hinweisen, die die Geschichtswerkstatt kontinuierlich dokumentiert, bewahrt und öffentlich zugänglich macht. Mit der Projektreihe Zeitzeugenwerkstatt haben wir ein eigenständiges Format entwickelt, das Zeitzeugeninterviews zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten sammelt und veröffentlicht. Für das Jahr 2016 ist eine weitere Zeitzeugenwerkstatt zu Fragen des Alltags in der DDR geplant. Interessierte Zeitzeugen mögen sich bitte bei uns melden!

 
 
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