Meldungen des Jahres 2015

Meldung vom 18. Juni 2015

„Wir schauen in die Vergangenheit, unser Tun aber richtet sich in die Zukunft“


Der 17. Juni 2015 war in zweierlei Hinsicht ein bedeutender Tag für die Geschichtswerkstatt Jena: Neben dem Gedenken anlässlich des 62. Jahrestages des DDR-Volksaufstandes 1953 konnte der Verein auch seinen 20. Geburtstag begehen. Am 17. Juni 1995 fanden sich zahlreichreiche Engagierte und Interessierte zusammen, um eine Geschichtswerkstatt in Jena zu gründen, die sich intensiv mit der Aufarbeitung beider deutscher Diktaturen im 20. Jahrhundert beschäftigt. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass das alljährliche Erinnern an die Ereignisse des 17. Juni 1953 in Jena ein wichtiges Anliegen der Geschichtswerkstatt ist.

Am 17. Juni 2015 versammelten sich zu nachmittäglicher Stunde zunächst Vertreter des Stadtrates und zahlreiche Bürger, darunter Vorstands- und Vereinsmitglieder der Geschichtswerkstatt, vor der Gendenktafel am Sparkassengebäude des Jenaer Holzmarktes. In seiner Ansprache mit anschließender Kranzniederlegung würdigte Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter das Handeln und den Mut der Akteure des Volksaufstandes von 1953; gleichzeitig erinnerte er daran, dass auch in unseren Tagen ein engagiertes Eintreten für Demokratie und Menschenrechte vonnöten ist. Christian Dietrich, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, ergriff im Anschluss das Wort und verwies in seiner Würdigung auf den Umstand, dass 1989 letztlich gelungen sei, was 1953 angesichts sowjetischer Panzer scheiterte.

Im Anschluss stand in der Jenaer Rathausdiele die Eröffnung der Ausstellung „Wir wollen freie Menschen sein! Der DDR-Volksaufstand vom 17. Juni 1953“, herausgegeben von der Bundesstiftung Aufarbeitung, an. Vor den Mitgliedern des Jenaer Stadtrates und weiteren Gästen ging Oberbürgermeister Dr. Schröter einerseits auf den Inhalt der Ausstellung ein, andererseits hob er das 20-jährige Wirken der Geschichtswerkstatt – auch mittels ihrer Zeitschrift „Gerbergasse 18“ – hervor. Dr. Henning Pietzsch, Vorstandsvorsitzender der Geschichtswerkstatt Jena, verwies in seinem Grußwort auf die ereignisreichen 20 Jahre des Vereins, die von mehreren Umbrüchen und bislang fünf Vorsitzenden geprägt wurden. Gegenwärtig könne der Verein nicht nur viele neue Mitglieder (u. a. aus Luxemburg und den alten Bundesländern) begrüßen, sondern blicke auch auf inzwischen 75 Hefte der „Gerbergasse 18“ zurück. Für die Zukunft habe sich die Geschichtswerkstatt unter dem Motto „Wir schauen in die Vergangenheit, unser Tun aber richtet sich in die Zukunft“ die weitere Stabilisierung und Professionalisierung ihrer Arbeit vorgenommen; Projekte wie die Zeitzeugenwerkstatt sollen in Zusammenarbeit mit regionalen und überregionalen Partnern weiterentwickelt werden. Basis der Vereinsarbeit sei weiterhin das ehrenamtliche Engagement des Vorstandes und der Vereinsmitglieder. Mit Blick auf die anwesenden Stadträte mahnte Dr. Pietzsch die weitere finanzielle Absicherung des Vereins an, um die inhaltliche Arbeit fortsetzen zu können.

Nach einer Stadtführung unter Leitung von Detlef Himmelreich auf den Spuren des 17. Juni 1953 in Jena schloss der Tag mit einer ungezwungenen Zusammenkunft von Vorstand, Mitgliedern und Freunden der Geschichtswerkstatt Jena zur Feier von 20 Jahren erfolgreicher Vereinsarbeit.

 

Fotos/Text: Stefan Walter

 
 
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