Meldungen des Jahres 2026

Meldung vom 05. August 2026

Glashaus-Geschichten gesucht: Wer hat Erinnerungen zum Jenaer Glaspavillon im Paradiespark?

Mit der Aufforderung „Erzähl‘ uns Deine Glashaus-Geschichte!“ startete der Verein Glashaus im Paradies im Frühjahr 2026 einen Aufruf, um Erinnerungen der Jenaer Bevölkerung zum Glaspavillon unweit des Seerosenteichs im Paradiespark zu sammeln. „Besonders spannend wäre es für uns zu erfahren, wie es zu DDR-Zeiten am oder sogar im Glashaus war oder ob sich jemand noch an die Zeit der Erbauung erinnern kann“, sagt Vorstandsmitglied Maren Beljan. Der 2005 gegründete Verein kümmert sich um den Erhalt des Glaspavillons, organisiert Konzerte und forscht zur Geschichte des zeitlos modernen Gebäudes.

 

Kleinod der Moderne
Im April 1974 zeichnete der aus einer Jenaer Architektenfamilie stammende und in Weimar ausgebildete Architekt Friedhelm Schubring die Pläne für das außergewöhnliche Parkmobiliar, um architektonische Ästhetik mit einer soziokulturellen Funktion zu verbinden. Schubrings Glashaus griff dabei die Idee des Volksparks auf, von Anfang an konzipiert als Gebäude für die Bevölkerung. Der kleinere Baukörper des Ensembles war als Ausgabe für Spiel- und Sportgeräte geplant, während der größere für verschiedene, auch private Veranstaltungen dienen sollte. Nach Jahren des Leerstands und der Verwahrlosung erfüllt das Gebäude mitten im Jenaer Paradies seit 2005 wieder seinen ursprünglichen Zweck. Durch die ehrenamtliche Initiative des Glashaus-Vereins steht der Glaspavillon zudem seit 2005 auf der Landesdenkmalliste Thüringens, weil er ein herausragendes Beispiel für die Adaption der Moderne in der DDR-Architektur
darstellt. Unverkennbar sind die Anleihen, die Schubring, der im September 2023 im Alter von 79 Jahren verstarb, bei Richard Neutra empfing – einem der herausragenden Vertreter der klassischen Moderne in der Architektur. Die markanten Spinnenbeine sowie die rahmenlose gläserne Ecke und die Lichtgestaltung stehen ganz in dieser Tradition. Aber auch durch einen der wichtigsten deutschen Architekten der 1920er Jahre – Ludwig Mies van der Rohe – ist der Jenaer Glaspavillon inspiriert. Als Vorbild ließe sich dessen Barcelona-Pavillon auf der Weltausstellung 1929 benennen.

 

Das Glashaus im Jenaer Paradiespark. Foto: Archiv Glashaus im Paradies e. V.

 

Mitten im Jenaer Paradies
Anlässlich des Baubeginns vor 50 Jahren erschien zum Tag des offenen Denkmals 2024 das Buch „Der Glaspavillon im Jenaer Paradies“, das inzwischen nahezu vergriffen ist. Auf rund 100 Seiten wird die architektonische Besonderheit des Gebäudes herausgearbeitet und mit Fotoaufnahmen und historischem Bildmaterial ergänzt. Neue Erkenntnisse, die sich aus dem aktuellen Aufruf des Vereins ergeben, sollen in eine 2. Auflage einfließen. „Natürlich sind auch Erinnerungen nach 1989 sehr willkommen“, meint Vereinsmitglied Armin Huber. Ebenso wären private Fotos vom oder Erlebnisse rund um das Glashaus spannende Quellen zur Nutzungsgeschichte des Gebäudes.
Zum kommenden Denkmalstag am 13. September 2026 sollen die eingehenden Antworten und Nachrichten an den Glasfronten des Glashauses ausgestellt werden. Besuchende können die Schaufenster-Ausstellung dann um eigene Erinnerungen zum Haus erweitern oder die vorhandenen als Gesprächsanlass über Haus und Zeit nutzen. Bereits jetzt arbeitet der Verein an einem Veranstaltungsprogramm zur 50. Wiederkehr der Glashaus-Eröffnung im Jahr 2028.

 

Nadine Rall

Kunsthistorikerin, Jena

 

Nachrichten, Hinweise und Erinnerungen erbittet der Verein Glashaus im Paradies an:
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Mehr Informationen zum Jenaer Glaspavillon und zum Glashaus-Verein unter:
www.glashaus-paradies.de oder über den Instagram-Kanal glashaus.im.paradies

 
 
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