Meldungen des Jahres 2015

Meldung vom 13. Mai 2015

„ÜberWunden“ – Bericht zum 19. Bundeskongress in Fulda und Point Alpha


Vom 8. bis 10. Mai 2015 fand in Fulda und Point Alpha der 19. Bundeskongress der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit den Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiativen statt. Über 100 Teilnehmer aus ganz Deutschland kamen zusammen, um sich unter dem Motto „ÜberWunden“ mit Anfang und Ende der deutschen und europäischen Teilung 1945/1990 zu beschäftigen. Die deutsche Einheit im europäischen Kontext provoziere jedoch auch die Frage nach der europäischen Dimension der Erinnerung an die SED-Diktatur, so der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA) als Veranstalter des Kongresses. Diesen Fragestellungen sollte in mehreren Vorträgen und Podien, aber auch durch den Besuch der Gedenkstätte Point Alpha nachgegangen werden.

Der Auftakt des Kongresses im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses – laut dem begrüßenden Oberbürgermeister die „gute Stube“ der Stadt – umfasste neben mehreren Eröffnungsreden vor allem den Kongressvortrag des ungarischen Schriftstellers und Historikers György Dalos. Dalos, der als Dissident in kommunistischer Zeit ein Berufs- und partielles Publikationsverbot erhielt, legte darin den Schwerpunkt auf seine persönliche Biografie, thematisierte auf dieser Basis aber auch die geringen Wahlbeteiligungen in Osteuropa als warnendes Zeichen für eine Gefährdung des europäischen Gedankens bzw. der errungenen demokratischen Werte. Die im weiteren Verlauf des Kongresses folgenden Podien beschäftigten sich mit den Themen „Diktaturende und Neuanfang“, „Unterstützung des Widerstandes und der Gewaltopfer in der DDR und Westdeutschland“ „Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in der europäischen Nachbarschaft“ (als offener Kongress der Konrad-Adenauer-Stiftung) und „Der Kalte Krieg und das Ende der europäischen Teilung“.

Der Bundeskongress endete in der Gedenkstätte Point Alpha, wo sich nach einer kurzen Andacht die Möglichkeit zum individuellen Gedenken auf dem „Weg der Hoffnung“ bot. Zusammenfassend lässt sich die Veranstaltung als ein gelungenes Element im langen Reigen der einschlägigen Veranstaltungen im 25. Jahr nach der Wiederherstellung der Einheit Deutschlands bezeichnen. Schön war es, viele altbekannte Gesichter zu sehen und gleichzeitig neue Bekanntschaften aus dem großen und vielgestaltigen Akteursfeld der Aufarbeitung der SED-Diktatur machen zu können. Der 20. Bundeskongress wird vom 22. bis 24. April 2016 in Rostock stattfinden, turnusgemäß organisiert von der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern.

  • Das komplette Programm des 19. Bundeskongresses ist hier auf der Internetseite des ThLA abrufbar.
  • Die Pressemitteilung der Konferenz der Landesbeauftragten nach Abschluss des Kongresses ist hier erhältlich.
  • Bei den „Osthessen-News“ ist ein Beitrag zum Bundeskongress erschienen.

Text/Fotos: Stefan Walter

 
 
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